Da ist er, der erste Sieg!

Nachdem das Jahr 2016 mit 8 Siegen in Folge und der Meisterschaft in der Kreisliga sehr erfolgreich begonnen hatte, waren in der zweiten Jahreshälfte leider alle 9 Begegnungen in der Bezirksliga verloren worden. Die Uncoachabulls haben bei 7 der 9 Spiele nur sehr knapp verloren. Um genau zu sein, waren es in diesen 7 Spielen nur 7 Punkte oder weniger, die die Tübinger Basketballer von einem Sieg trennten. Trotz größtenteils sehr guter Defense konnten die Uncoachbulls sich also kein einziges Mal mit einem Erfolg belohnen. Klar, dass dies das Team wurmte. Und so war die Weihnachts- und Neujahrspause ein guter Zeitpunkt, um ein bisschen Abstand von den knappen Niederlagen zu bekommen. Eine der beiden recht klaren Niederlagen gab es beim Saisonauftakt bei den Balingen Falcons zu verzeichnen. Damals war das Team noch recht grün hinter den Ohren und ließ sich eine 7-Punkte-Führung zur Halbzeit noch nehmen und verlor am Ende verdient mit 55:69. Schon damals war klar, dass die Unistädter vor allem in der Offensive Probleme hatten. Das Scoring blieb auch in den folgenden Begegnungen immer das Hauptproblem. Nun hatten die Uncoachabulls aber zuhause die Möglichkeit das Jahr 2017 mit einem Sieg zu starten.

Die Basketballer der TSG Balingen hatte man trotz der Tabellensituation nicht als übermächtigen Gegner in Erinnerung. Im Hinspiel konzentrierte sich fast alles auf den Ex-Profi Al-Ricardo Elliott und den Franzosen Matthieu Dodelin. Beide waren auch vor dieser Begegnung in der Top 5 der besten Liga-Scorer zu finden. Zum Rückspiel in der Spielhalle des Tübinger Sportinstituts tauchte Dodelin aber nicht auf. Die Gerüchteküche sprach von einem Zwist zwischen dem Franzosen und einem Mitglied der Falcons. Genaues wussten die Uncoachabulls aber nicht und es war ihnen im Prinzip auch egal. Die Devise war so oder so klar: man möchte sich der Herausforderung stellen und das vermeintlich Unmögliche noch möglich machen. Nach 9 Niederlagen ist der Nichtabstieg die erklärte Mission Impossible, die die Tübinger Schritt für Schritt angehen wollen.

Spielertrainer Gianni Greco konnte aus den Vollen schöpfen. Ganze 12 Mann hatten sich versammelt, um endlich den ersten Sieg zu schaffen. Die Uncoachabulls waren heiß, scharrten mit ihren Hufen, hatten Schaum vor dem Mund – you name it! Einfach alles, was dazugehört. Zu Beginn führte dies aber dazu, dass man irgendwie gehemmt agierte. Es dauerte etwas bis die Jungs vom SV 03 Tübingen ins Spiel fanden. Das lag zunächst auch daran, dass Al Elliott schon früh zeigte, was in ihm steckt. Andererseits präsentierten die Balinger mit James Lofton einen weiteren US-Import, dessen unglaubliche Athletik die Uncoachabulls nicht auf der Rechnung hatten. Doch mit fortlaufender Spieldauer fanden die Hausherren ins Spiel. Sogar so gut, dass sie zum Ende des 1. Viertels mit 19:16 führten.

Höchst erfreulich war bereits schon zu diesem Zeitpunkt, dass das Team der Star war. Jemanden groß hervorzuheben, fällt im Nachhinein sehr schwer. Wenn es irgendwo etwas anzupassen gab, so bot die Auswechselbank der Uncoachabulls genügend Möglichkeiten entsprechend zu reagieren. Das verhalf dem Gastgeber zu einem weiterhin ausgeglichenen Spiel. Zwar lief offensiv wieder ein bisschen was daneben und es regierte das gewohnt unkonventionelle Auftreten, aber gleichzeitig wurden die Angriffskreise der Gäste so stark limitiert, dass im zweiten Viertel nur 11 Punkte für sie heraussprangen. Ein vergleichsweise geringer Wert für ein Team, das normalerweise wenig Probleme mit dem Scoring hat. Der zweite Spielabschnitt bot damit dann auch keine entscheidende Tendenz, was sich am Halbzeitergebnis von 30:27 ablesen lässt.

Hochzufrieden aber beileibe nicht satt gingen die Tübinger Basketballer in die Halbzeitpause. Die Gäste aus dem Eyach-Tal verzogen sich schnurstracks in die Umkleidekabine, von wo sie bis 3 Minuten vor Wiederanpfiff nicht mehr zurückkamen. Es muss wohl eine gehörige Ansprache gegeben haben – zumindest wirkte es so. Die Mannschaft von Co-Trainer Stoffel Kehrer war hingegen sehr entspannt zu Werke gegangen. Ausruhen und chillen war eher angesagt als Körbe werfen. Dies schien dann zunächst auch der bessere Ansatz gewesen zu sein. Die Uncoachabulls kamen ganz gut in die zweite Halbzeit. Leichte Vorteile waren gleich zu Beginn zu erkennen. Bis dann der erste Schocker der Partie wie ein Blitz einschlug. Top-Punktesammler Jay Gronbach eilte nach einem versuchten Steal schreiend vom Spielfeld. Zunächst war nicht klar, was passierte. Doch ein kurzer Blick auf den Zeigefinger seiner linken Hand genügte, um zu wissen, dass die Schreie nur allzu berechtigt waren. Kurzum, Jays Finger war ausgekugelt und er musste sofort in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik gebracht werden. Diagnose: Kapseltotalschaden und wohl auch sehr viel AUA. Ein echter Schock für die Uncoachabulls! Und während die meisten Zuschauer wohl noch dachten, dass es jetzt einen argen Bruch im Spiel der Gastgeber geben könnte, zogen ebendiese das Tempo extrem an. Plötzlich platzte der Knoten im Angriff und ein paar wenige Fastbreaks später war die Führung zweistellig und recht komfortabel.

12 Punkte vorne und noch 10 Minuten zu spielen. In dieser tollen Situation waren die Unistädter zuletzt sehr selten. Nur in Schramberg waren sie mal in einer ähnlichen Lage. Den negativen Ausgang hat sicher niemand vergessen. Genau deshalb waren die Uncoachabulls auch voll motiviert, das Spiel nicht schon als “gewonnen” abzuhaken. Trotzdem wurden die letzten Minuten noch zu einer Nervenschlacht. Zuvor aber der zweite Schocker: Robin Cramer, der unermüdlich kämpfende Forward der Heimmannschaft, sank nach einem Zweikampf um den Ball zu Boden. Auch hier reichte ein kurzer Blick und es war klar, dass es sich nicht um eine Lappalie handelte. Robin bekam einen Ellbogen an die Schläfe und das Auge schwoll auch sehr schnell an. Das bedeutete zum Glück zwar nicht die zweite Fahrt zur BG, aber erstmal ein Ausruhen auf der Bank. Vorweggenommen, er konnte weiter spielen und griff später noch entscheidend ein.

In den letzten Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Die Gäste stellten ihre Defense auf eine Ganzfeldpressverteidigung um. Diese zeigte auch sofort Wirkung und verhalf den Balingern zu ein paar Ballgewinnen. Allerdings machten sie glücklicherweise nur sehr wenig daraus. Vielmehr konzentrierten sie sich auf Würfe von jenseits der Dreierlinie. Al Elliott und auch James Lofton zeigten sich da zwar ab und an erfolgreich, letztlich war das dann aber doch zu einfallslos, um sofort an den Uncoachabulls vorbeizuziehen. Nachdem die Hausherren dann immer besser einen Weg durch die Presse fanden, startete die nervlich wohl belastendste Phase des Spiels. Einige Male wurden die Uncoachabulls an die Freiwurflinie geschickt. Leider war dann erstmal das große Zittern angesagt. 6 Freiwürfe in Folge gingen daneben. Erst als Lothar Netzel nochmals an die Linie musste, war der Bann dann gebrochen. Das Positive an dieser Situation war, dass die Hausherren trotz der vielen vergebenen Freiwurfchancen größtenteils weiterhin in Ballbesitz blieben. Die Centergarde griff sich wichtige Offensivrebounds und hielt somit den Ball in den eigenen Reihen.

So schafften es die Tübinger Basketballer die Führung über die Ziellinie zu retten und den ersten Saisonerfolg zu erzielen. Das 67:63 war zwar sehr hart umkämpft, dennoch darf man die Uncoachabulls als verdienten Sieger sehen. Sie führten fast das gesamte Spiel und hatten es auch geschafft, das Momentum gegen Ende der Partie zu ihren Gunsten zu wahren. Sicherlich nicht das schönste Spiel, aber dafür von Anfang bis Ende spannend und packend. Ein Erfolg, auf den das gesamte Team stolz sein kann. Leider auch ein Sieg mit Verlusten. Deshalb alles Gute und eine schnelle Genesung an Robin und vor allem an Jay.

Nun hat sich die Tabellensituation durch diesen einen Sieg kaum entspannt. Neuen Mut dürften die Uncoachabulls aber trotzdem geschöpft haben. Jetzt sind erstmal drei Wochen Pause angesagt. Dann geht es nach Freudenstadt zur BSG Nordschwarzwald. Ein sehr unangenehmer Gegner, der im Hinspiel durch einen 59:54-Erfolg zwei Punkte aus der Uhlandhalle entführen konnte. Werden die Uncoachabulls zurückschlagen und vielleicht eine kleine Serie starten können? Mehr wissen wir, wenn sie am 11.02.2017 um 17 Uhr in der Sporthalle beim Panoramabad antreten werden.