Erfolgreicher Overtime-Krimi in Haiterbach

Die Rückrunde der Tübingen Uncoachabulls verlief bislang durchwachsen. Nach dem überraschenden aber nicht unverdienten Sieg gegen die Balingen Falcons folgten zwei bittere Auswärtsniederlagen in Freudenstadt und beim TV Derendingen. Trotzdem haben die Tübinger Basketballer erstens weiterhin sehr viel Spaß und zweitens sogar schon 100% mehr Siege als in der Vorrunde errungen. Muss man also auch mal positiv sehen. Bei einem Erfolg aus zwölf Begegnungen standen die Uncoachabulls vor dem nächsten Auswärtsspiel in Haiterbach nach wie vor in der Außenseiterrolle. Obwohl die Gastgeber des KKK Haiterbach 2 den vorletzten Platz in der Tabelle bekleiden, waren sie vor diesem Kellerduell mit den als SV 03 Tigers Tübingen 3 startenden Unistädtern nicht wirklich in Konkurrenz stehenden. Sie hatten schließlich aus 13 Partien ganze vier Erfolge feiern dürfen und sind damit deutlich näher am Relegationsplatz dran als die Uncoachabulls. Außerdem hatten sich die Haiterbacher zuletzt mit einigen Hochkarätern verstärkt – beispielsweise Ex-Profi Sascha Kesselring und NBA Draftee Aleksandar Josic – und somit ihren Ambitionen, den Abstieg zu vermeiden, nochmals deutlich Nachdruck verliehen.

Bei den Uncoachabulls fehlte leider die wichtige Stütze Robin Cramer. Er hatte sich im Spiel bei den TV Derendingen Anacondas das Kahnbein gebrochen und fällt damit für den Rest der Saison aus. Da traf es sich gut, dass der Wintertransfer aus Neuseeland – Sam Kelsey – zum ersten Mal ins Geschehen eingreifen konnte. Ohnehin fanden sich erfreulicherweise auch in diesem Spiel wieder ganze zehn Mann zum Auswärtsspiel in Haiterbach ein. So war das Trainergespann Greco/Kehrer vor der Partie guter Dinge, dass man mit zwei Punkten im Gepäck wieder nach Hause reisen kann. Zumal die Gastgeber auch auf die Dienste von Center-Ass Kesselring verzichteten.

Die Uncoachabulls gingen frohen Mutes in das erste Viertel. Es war auch tatsächlich so, dass sich die Neckarstädter ganz wohl fühlten und gut in die Partie fanden. Die eine oder andere gute Idee war schon zu entdecken und der erste Plan schien schonmal nicht schief zu laufen. Doch trotz dieser guten Ideen standen sich die Uncoachabulls in so mancher Situation selbst im Weg. Ein Pass zuviel hier, ein falsches Dribbling da und schon war der Ball bei den Hausherren gelandet. Zusätzlich dazu verteidigte der athletische 2-Meter-Hüne Josic sehr gut und ließ in Korbnähe kaum Aktionen zu. Vor allem an seiner Präsenz lag es auch, dass die Tübinger Basketballer mehr und mehr Respekt davor bekamen, den Korb zu attackieren. Einzig Sam Kelsey stach hier als positive Überraschung hervor. Mit seiner neuseeländischen Lockerheit schien er unbeeindruckt ob der Fähigkeiten der Gastgeber. Nach zehn Minuten führten die Uncoachabulls knapp mit 14:12.

Sicherlich war es bis hierhin kein Augenschmaus für die doch zahlreichen Zuschauer. Aber von einem Kellerduell darf man natürlich auch kein Feuerwerk erwarten. Vielmehr zeichneten sich beide Teams durch ehrliche Arbeit aus. Fast jede Aktion musste man sich irgendwie erkämpfen. Auch das zweite Viertel brachte hier keine große überraschende Wendung. Allerdings kam nun so langsam wieder das alte Problem mit dem spärlichen Scoring auf. So manch ein gut herausgespielter Angriff hätte zu erfolgreichen Punkten führen können – und manchmal sogar müssen. Da dies aber nicht so richtig gelingen wollte, fingen die Köpfe der Gäste von Minute zu Minute immer mehr an zu hängen. Damit ließ dann selbstverständlich auch die Intensität in der Defensive und die Konzentration in der Offense nach. Drohte nun ein ähnliches Tief wie zuletzt beim TV Derendingen? Zum Glück nicht so schwerwiegend. Der Rückstand zur Halbzeit konnte bei vier Punkten gehalten werden. Das 29:25 zum Pausentee war noch zu verschmerzen.

Dennoch waren die Signale der Uncoachabulls Besorgnis erregend. Hatten sie sich etwa von den Misserfolgen bei klaren Chancen beunruhigen lassen? Ein wenig ging es schon in diese Richtung. Gut ist, dass sie sich zur Halbzeitpause nochmals neu einschwören konnten. So fokussierten sie sich nach dem Seitenwechsel darauf, die Verteidigung der Regionalliga-Reserve des KKK Haiterbach zu beschäftigen und möglichst müde zu machen. Dies führte in erster Linie dazu, dass beide Mannschaften zusehends in Foul-Trouble gerieten. Wichtige Stützen auf beiden Seiten mussten für einige Zeit auf der Ersatzbank Platz nehmen. Der Spielfluss war dadurch etwas gehemmt … oder vielleicht einfach zu chaotisch. So genau ließ sich das nicht definieren. Immerhin fielen an beiden Enden des Spielfelds mal ein paar Körbe. Das Viertelergebnis von 21:19 für die Hausherren war am heutigen Tag das Höchste der (Scoring-)Gefühle. Leider blieben die Vorteile auch weiterhin knapp bei den Gastgebern. 50:44 stand es nach dreißig gespielten Minuten.

Das letzte Viertel startete wenig erfreulich. Noch sieben Spielminuten waren auf der Uhr als die Uncoachabulls plötzlich mit 10 Zählern im Hintertreffen lagen. Die Moral schien gebrochen, das Spiel stand auf dem Scheideweg. Jedoch schienen die Unistädter aus heiterem Himmel den richtigen Weg entdeckt zu haben. Innerhalb weniger Minuten schmolz der Rückstand rapide ab. Doch was hatten die Uncoachabulls geändert? Zum einen wurde die Intensität in der Defense an bestimmten Punkten deutlich verbessert. Zum anderen lief der Ball sehr gut durch die eigenen Reihen und man machte es endlich nicht mehr so kompliziert, wie in den drei Vierteln zuvor. Einfaches Passspiel, einfache Ideen, einfach simpler Basketball ohne Schnörkel und Gedöns. Dies verhalf den Gästen dazu, dass sie einige Angriffe lang stets die richtigen Entscheidungen trafen. Egal wer jetzt auf dem Feld stand, es lieferten alle endlich mal so richtig ab. Haiterbach verzettelte sich hingegen bei einigen Angriffen und tat sich trotz einer sehr smarten Aufstellung schwer zu punkten. Außerdem mussten sie schon früh im letzten Spielabschnitt auf Aleksandar Josic verzichten, der mit fünf persönlichen Fouls nicht mehr am Spiel teilnehmen durfte. Einzig Jonathan Babitsch fand hin und wieder den richtigen Weg zum Korb und kam so vor allem durch Freiwürfe zu einigen Punkten.

In den letzten Sekunden der regulären Spielzeit war dann noch sehr viel Spannung geboten. Die Uncoachabulls starteten einen Angriff, bei dem Sam gefoult wurde. Durch die beiden souverän verwandelten Freiwürfe gingen die Uncoachabulls mit 62:60 in Führung. Doch auch die Gastgeber konnten noch einen Angriff einleiten. Hierbei wurde wiederum Babitsch an die Freiwurflinie geschickt. Auch er verwandelte eiskalt beide Freiwürfe zum 62:62 Gleichstand. Ein letzter Angriff der Uncoachabulls in Haiterbacher Korbnähe landete nur knapp nicht im Korb der Hausherren. So ging es dann in die Verlängerung.

In der Verlängerung war es dann Kampf pur. Die Uncoachabulls wirkten zwar noch fit, hatten aber enorme Probleme mit ihren persönlichen Fouls. Mit Lothar Netzel und Nick Rambow mussten gleich zwei wichtige Stützen mit je fünf Fouls auf der Bank Platz nehmen. Haiterbach wirkte irgendwie angeschlagen und nachdem Jonathan Babitsch dann ebenfalls mit fünf Fouls aus dem Spiel war, vergingen die letzten Sekunden wie ein ganz zäher Kaugummi. Allerdings weiterhin mit einer zum Greifen naher Spannung. Hitchcock par excellence! Nur Brett Youens konnte in der Verlängerung einen Feldkorb erzielen, übrigens seine einzigen Punkte im Spiel. Diese Aktion war sogar sehr sehenswert. Der Rest spielte sich vor allem an der Freiwurflinie ab. Sam Kelsey gebührte der finale Akt. Verwandelte er zuvor noch fast alle seine Freiwürfe mit traumwandlerischer Sicherheit so waren seine letzten beiden Versuche 1,9 Sekunden vor dem Ende durchaus kurios. Erst ein Airball, dann ein weiterer Fehlwurf, der es den Haiterbachern aber nicht mehr ermöglichte eine Auszeit zu nehmen oder einen normalen Wurf loszuwerden.

Die Uncoachabulls lagen sich in den Armen. Sie hatten tatsächlich diesen Krimi für sich entscheiden können. 66:67 nach Verlängerung. Knapper geht es nicht, spannender geht es auch nicht. Die schon fast verlorene Begegnung haben die Neckarstädter in den letzten Minuten noch irgendwie gedreht. Klar, es gehörte auch eine mächtige Portion Glück dazu. Alles in allem war es aber einer kleinen Systemänderung verdanken, die die Gastgeber an den Rande der Verzweiflung brachte. Die clever eingestellten Gastgeber sahen sich so aus heiterem Himmel einer Hürde gegenüber, auf die sie so kurzfristig keine Antwort hatten. Die Verlängerung war dann einfach nur noch eine Lotterie und ein Fall für die vermeintlich stärkeren Nerven.

Zwar verlieren die Uncoachabulls durch den knappen Sieg den direkten Vergleich mit dem KKK Haiterbach, aber endlich kommen sie den anderen Teams wieder etwas näher. Trotzdem sind es immernoch drei Siege zu einem Relegationsplatz. Aussichtslose Ausgangslage? Mag sein, juckt die Uncoachabulls aber nicht. Sie wollen einfach alles geben und dann am Ende schauen, was dabei rauskommt. Nächster Halt: Endlich wieder ein Heimspiel. Zu Gast wird der TSV Rottweil sein. Die stärkste Offensive der Bezirksliga gastiert am 04.03.2017 um 15:00 Uhr in der Tübinger Uhlandhalle. Aufgeben gibt’s nicht!