5 extrem schwache Minuten = Niederlage bei den Squirrels

Die Bezirksliga West der Saison 2016/2017 ist für die Uncoachabulls mit etlichen Derbys bestückt. Die SV 03 Tigers Tübingen 3 spielten bereits zweimal gegen den TV Derendingen, trafen einmal auf den designierten Meister TB Kirchentellinsfurt und hatten am vergangenen Wochenende das Rückspiel bei den SV Pfrondorf Squirrels. In den letzten Jahren haben sich besonders die Duelle mit dem Tübinger Stadtteil Pfrondorf als heiße Tänze erwiesen. Mehr noch als gegen den ewigen Stadtrivalen TV Derendingen. Das liegt auch daran, dass das Team der Eichhörnchen mit jungen Spielern gespickt ist, die in der jüngeren Vergangenheit Teil des SV Tübingen waren. Somit herrscht in den direkten Aufeinandertreffen ein gewisser Anreiz, dem “Bruder” zu zeigen, wie erfolgreicher Basketball gespielt wird. Vor und nach dem Spiel ist alles in Ordnung, doch während der Begegnungen geht es doch auch schonmal hitzig zur Sache. Wie es eben in einem echten Bruderduell so ist. Für beide Mannschaften war dieses Spiel dann auch noch in jeweils konträrer Hinsicht von großer Bedeutung: für die Uncoachabulls war es die letzte Chance rein rechnerisch im Rennen um den Klassenerhalt zu bleiben, für die Gastgeber aus Pfrondorf sollte der zweite Tabellenplatz in Reichweite bleiben, welcher zur Relegation zur Landesliga berechtigt.

Beide Teams gingen in guter Besetzung ins Rennen. Klar, es fehlten vereinzelte Leistungsträger. Trotzdem waren es auf dem Papier zwei ganz starke Formationen. Coach Gianni Greco setzte dabei in seiner Startformation auf eine kleine Überraschung. Mit Stoffel Kehrer schickte er den dienstältesten Uncoachabull von Beginn an aufs Parkett und verzichtete damit in der Starting Five auf jegliche Dreipunkt-Firepower. Lediglich ein Schnitt von 0,2 verwandelten Dreiern stand bei den startenden 5 Spielern der Gäste in der Saisonstatistik. Der Fokus lag damit ganz offensichtlich bei der Verteidigungsarbeit. Allerdings war die fehlende Treffsicherheit ein Trugschluss – mit der Erfahrung aus 322 Partien verwandelte Stoffel in seinem 323. Einsatz für die Uncoachabulls gleich mal zu Beginn einen Dreipunkttreffer. Neben der Konzentration auf die Defense, merkte man, dass die Tübinger Basketballer in der Offense sehr variabel waren. Gegen die Zonenverteidigung des SV Pfrondorf hatten die Unistädter einige gute Ideen parat. Die Gastgeber taten sich dagegen recht schwer, die Verteidigungslinien der Gäste zu durchbrechen. Fast allein über die Dreipunktwürfe kamen sie zu so manchem Erfolgserlebnis. Nach zehn Spielminuten hatten die Uncoachabulls dadurch einen kleinen Vorsprung herausgearbeitet. Das Viertel endete für sie mit 18:14.

Auch in den zweiten zehn Minuten ging es für die Jungs aus der City gut weiter. Der Vorsprung konnte dabei sogar leicht ausgebaut werden. Die Squirrels bissen sich weiterhin die Zähne aus und konnten ihr gewohntes Transition-Spiel nicht zur Geltung bringen. Normalerweise seziert die Pfrondorfer Mannschaft ihre Kontrahenten durch gekonntes Passspiel und spielt dann häufig den entscheidenden tödlichen Pass. Doch bis zu diesem Zeitpunkt kam es in diesem Spiel dazu nur extrem selten. So blieben die erfolgreichen Dreier auch weiterhin das Rezept, um an den Uncoachabulls dran zu bleiben. Der traumwandlerischen Trefferquote von Philipp Saur durften die Squirrels verdanken, dass das Spiel nach wie vor offen blieb. Das ging dann sogar so weit, dass die Hausherren vor der beeindruckenden Kulisse kurz vor der Halbzeit in Führung gingen. Zwei Punkten der Uncoachabulls konnten sie regelmäßig drei Punkte entgegensetzen. In der Summe war die Rechnung damit einfach: die Squirrels konnten mit einer knappen 39:35-Führung in die Halbzeitpause gehen.

Die Tübinger Basketballer waren überzeugt davon, dass diese übermenschliche Trefferquote der Gastgeber nicht das gesamte Spiel über andauern könne. Deshalb waren sie auch nicht gewillt ihre Verteidigung umzustellen, obwohl die vielen Dreipunkterfolge des SV Pfrondorf schon weh getan hatten. Auf kurz oder lang mussten sich die guten Ideen in der Offensive doch bezahlt machen, so zumindest die Denke der Gäste. Die Realität sah leider anders aus. Angepeitscht vom tollen Publikum, kamen die Eichhörnchen wie eine tollwütige Nagerplage daher und brachten neben ihren zahlreichen Dreiern nun auch noch einige wichtige Fastbreaks im gegnerischen Korb unter. Es ist unglaublich, wie eigentlich gefestigt wirkende Spieler, innerhalb von wenigen Minuten so an Selbstvertrauen verlieren können, dass aus einem knappen Rückstand plötzlich ein Defizit von mehr als 20 Punkten zustande kommen kann. So haben die Hausherren innerhalb von circa 5 Spielminuten das Spiel entschieden bevor die Uncoachabulls überhaupt zurück aus der Halbzeitpause kommen konnten. Klar, eine Saison, in der man nur etwas mehr als 10% seiner Spiele gewinnt, baut das Selbstvertrauen nicht unbedingt auf. Trotzdem ist es extrem schade, dass ein vermeintlich offenes Derby aus heiterem Himmel zu einer einseitigen Geschichte wird. Die Squirrels hatten nach ungefähr 5 Minuten ein einsehen und schalteten wieder einen Gang zurück. Die Uncoachabulls sammelten sich wieder und konnten den Rückstand bis zum Ende des dritten Viertels ausgeglichen gestalten. Das 69:48 auf der Anzeigetafel sprach eine deutliche Sprache.

So konnten sich die Gäste nun darauf konzentrieren, die Spielzeit etwas gleichmäßiger zu verteilen und auch denjenigen etwas mehr Praxiserfahrung zu gönnen, die ansonsten etwas zu kurz kommen. Und ganz wichtiger Punkt: den Spaß an der Sache nicht verlieren. Sie erfreuten sich deshalb an einzelnen gelungenen Aktionen ihrer Mitspieler, aber auch an kuriosen Szenen. Alex “The Spinning Anvil” Bitzer bot beispielsweise seine ganz eigene Interpretation eines im Basketball-Fachjargon als “Wedgie” bezeichneten Kunststücks dar: den Freiwurf-Wedgie. Einzig Lothar Netzel verstand auch weiterhin keinen Spaß und blockte die Bälle gefühlte 30 Mal in die Zuschauerränge. Im Großen und Ganzen war das letzte Viertel also kurzweilig, änderte aber auch nichts mehr an der Gesamtsituation. Das Viertel ging mit 14:13 an die Gäste, das Spiel letztlich verdient mit 82:62 an die Gastgeber. 17 Dreier, allein 10 davon von Philipp Saur, bei einer Trefferquote von schätzungsweise über 50% waren dann doch zuviel für die Uncoachabulls.

Dass sich die Gesamtsituation nicht mehr änderte, war allerdings nur auf das Ende des Spiels bezogen. In Wahrheit bedeutete diese Niederlage, dass die restlichen drei Saisonspiele zur Abschiedstournee werden. Die Tübinger Basketballer stehen als erstes Absteiger aus der Bezirksliga West fest. Nach nur einer Saison geht es wieder zurück in die Kreisliga. Und trotzdem gibt es zwei Dinge, die man aus dem Spiel gegen Pfrondorf mit Stolz mitnehmen kann: zum einen war es eines der variabelsten Offensivleistungen der Saison mit auffallend vielen guten Ideen, zum anderen ist der Zusammenhalt im Team deutlich spürbar – die Mannschaft lebt und ist intakt. “Natürlich sind wir enttäuscht, dass es nach nur einer Saison wieder zurück in die Kreisliga geht. Jetzt haben wir leider schon drei Spieltage vor Schluss die Gewissheit, dass wir uns nicht mehr ans rettende Ufer hieven können”, fasste Coach Greco mit einem leichten Lächeln zusammen. Mit einem Lächeln? “Ja, ich bin trotzdem gut drauf. Wir haben in jedem Spiel der Saison wirklich alles gegeben. Ich war schon öfters im Abstiegskampf. So einen großen Zusammenhalt habe ich bisher aber noch nicht erfahren dürfen. Das lässt mich positiv in die Zukunft blicken.”

Und noch stehen ja drei weitere Spiele an. Die Chance, die rote Laterne abzugeben, bleibt auch weiterhin erhalten. Im Kellerduell gegen die SG Schramberg werden die Karten schon wieder neu gemischt und in der heimischen Uhlandhalle wird dann wieder um einen Sieg gekämpft. Gewinnen die Uncoachabulls das Spiel am 19.03.2017 um 17:30 Uhr, ist auch die SG Schramberg vor dem direkten Abstieg nicht mehr zu retten. Es geht also auch weiterhin um etwas und die Uncoachabulls stehen mitten im Geschehen. Spannung garantiert!