Oh, schau mal! Es regnet wieder Dreier …

Am Sonntag empfingen die Tübingen Uncoachabulls die SG Schramberg zum vorletzten Heimspiel der Saison. Es war das Kellerduell der Liga – die bereits abgestiegenen Unistädter gegen die Gäste aus dem mittleren Schwarzwald, die ihrerseits noch nach dem letzten Strohhalm im Kampf um den Klassenerhalt greifen wollten. Beide Formationen waren gut besetzt zum Spiel erschienen und die anwesenden Zuschauer durften sich auf zwei hoch motivierte Mannschaften freuen. Einzig Edelfan Siggi H. wurde ein weiteres Mal schmerzlich vermisst. Siggi, wo warsch?

Der Gameplan der Tübinger Basketballer sah es vor, über einfache und klare Aktionen, schnell für ein geordnetes Spiel zu sorgen. Dass die Eigenschaft “geordnet” aber gar nicht mit den Uncoachabulls kompatibel ist, merkte man schnell. In der Offense sah es nämlich nicht so sehr nach einem seriösen Spielstil aus. “Kontrolliertes Chaos” trifft es dagegen besser. So lief der Ball immerhin in den eigenen Reihen und ein paar gute Aktionen kamen zustande. Viel wichtiger war jedoch, dass die gefürchteten Dreierschützen der Gäste aus Schramberg zwar aus allen Rohren feuerten, aber nichts trafen. Eine gewisse Nervosität war ihnen dann doch anzumerken, ging es für sie um weitaus mehr als für die Jungs vom SV 03 Tübingen. Ein insgesamt unauffälliges, ausgeglichenes Startviertel endete mit 15:13 für die Uncoachabulls.

Auch die zweiten 10 Spielminuten liefen sehr ähnlich an. Einen kleinen Vorteil schienen die Hausherren zwar zu haben, für ein Absetzen von den Gästen reichte es aber dann irgendwie auch nicht. So schlichen sich nach und nach einige Nachlässigkeiten bei den Uncoachabulls ein. Das ging sogar so weit, dass das Thema Defense eine sehr untergeordnete Rolle spielte. Nach einer Weile hatte das Trainergespann genug gesehen und stellte die Abwehrformation um. Allerdings verschlimmerte das die Situation so sehr, dass die Schramberger innerhalb von zwei Spielminuten einen kleinen Vorsprung herausarbeiten konnten. Plötzlich war eine relativ ausgeglichene Begegnung, auch die SG hielt wenig von Verteidigungsmaßnahmen, zur Halbzeit ins negative gekippt. Und davon können die Uncoachabulls zuletzt wahrlich ein Lied singen. 34:41 hieß der Spielstand zur großen Pause. Die SG Schramberg hatte den Gastgebern ganze 28 Punkte in diesem Viertel eingeschenkt. Hallo Defense?

Diese Entwicklung konnten und wollten die Uncoachabulls sich nicht bieten lassen. Noch war ja auch noch alles drin. 7 Punkte Rückstand? Geschenkt! Es war ja nicht der erste Rückstand der Saison, den man zumindest wieder knapper gestalten konnte. Jedoch war genau das dritte Viertel in den vergangenen Spielen der Knackpunkt für recht deutliche Niederlagen. Dieses Mal auch? Mit Messern zwischen den Zähnen bewaffnet, wollten die Uncoachabulls über eine knallharte Verteidigung wieder zurück ins Spiel finden. Aber was war da los? Die zunächst gewählte Verteidigungsvariante ging überhaupt nicht auf. Die regelrecht in Panik wirkende Formation stellte dann auf dem Feld eigenmächtig die Defense um. Das Trainergespann war noch überfordert die Ereignisse zu sortieren und bemerkte die Umstellung nicht sofort. Das Ergebnis: die SG Schramberg bekam freie Würfe von jenseits der 6,75 m Markierung – und die SG traf. Zack, bumm, peng! Schon waren die Neckarstädter wieder in den falschen Tunnel eingebogen. Wie in den vergangenen beiden Spielen gegen Rottweil und in Pfrondorf auch traf der Gegner nun aus allen Lagen. Die zahmen Bullen schafften mit 19 Punkten in diesem Spielabschnitt einen in dieser Saison ungewöhnlichen Korbpunktewert, aber die Gäste machten die Gastgeber mit eigenen 32 Punkten platt wie … ach, einfach platt eben!

Mit einem Defizit von 20 Punkten ging es ins letzte Viertel. Was konnte da jetzt noch das Ziel für das restliche Spiel sein? Die Uncoachabulls verständigten sich darauf, dass sie erstmal schauen wollten, die magische Grenze von 10 Punkten zu unterschreiten. Was zunächst eher schleppend klappte, sollte nach einigen Minuten dann sogar recht realistisch werden. Scheinbar wurden die Gäste aus dem Schiltach-Tal nervös als sie merkten, dass die inzwischen schnelle und agile Defense der Uncoachabulls tatsächlich signifikanten Schaden anrichten konnte. Jetzt hatten die Hausherren endlich wieder ihren Mut gefunden. Es war sicher ein bisschen der viel zitierte Mut der Verzweiflung, aber er half auf jeden Fall weiter. Die Gäste taten sich nun deutlich schwerer zu scoren, die Uncoachabulls suchten inzwischen den ganz direkten Weg. Mit Erfolg, teilweise zumindest. Leider schafften die Unistädter ihr sich für den letzten Spielabschnitt gesetzte Ziel nicht. Trotzdem sah das Endergebnis wieder ein klein wenig erfreulicher aus – 76:90. Minus 14 ist trotzdem eine deutliche Niederlage.

Zugegeben, das Ergebnis fiel deutlicher aus als man vielleicht im Vorfeld vermuten konnte. Letztlich ist der Sieg der SG Schramberg total verdient. Vom schwachen Start ließen sie sich nicht beirren und fanden spätestens Mitte des zweiten Viertels eine Schwachstelle der Tübinger Basketballfreunde. Das Selbstvertrauen ist sowieso im Keller. Wenn man es also schafft, ein paar zielgerichtete Treffer zu landen, dann sind die Uncoachabulls momentan nur schwer vor einem Leistungseinbruch zu retten. So ist es auch in dieser Partie geschehen. Ein kurzer Lauf der Gäste und die Neckarstädter bekommen wackelige Knie wie ein am Kinn getroffener Boxer. Während die SG noch weiter nach dem letzten Strohhalm greifen kann, ist für die Uncoachabulls nun auch der vorletzte Tabellenplatz außer Reichweite. Es steht fest, dass die Tübinger mit der roten Laterne als Tabellenletzter in die Kreisliga absteigen werden. Wer mit ihnen mitkommt, ist nach wie vor offen.

Jetzt haben die Uncoachabulls erstmal zwei Wochen Pause. Dann erwarten sie im letzten Heimspiel am 1. April 2017 die SV Holzgerlingen Dynamites in der Tübinger Uhlandhalle. Hochball ist um 12:30 Uhr. Die Tübingen Uncoachabulls haben es tatsächlich nicht ein einziges Mal geschafft in der heimischen Uhlandhalle zu gewinnen. Der Heimspielsieg gegen Balingen fand ausnahmsweise in der Spielhalle der Uni Tübingen statt. Gegen Holzgerlingen haben die Tübinger Basketballer aber noch ein letztes Mal die Chance doch noch einen Erfolg einzutüten. Hoffen wir mal, dass die derzeit stark aufgelegten Dynamites nicht den Plan eines Heimsieges explodieren lassen. Die Bullenherde wird auf jeden Fall versuchen, die Lunte der Gäste auszutrampeln, um jegliche Explosionsgefahr zu vermeiden.
Kommt vorbei, habt Spaß, geht ab!