10, 17, 10, 1 und doch wieder verloren

Was waren das für regnerische Wochen zuletzt für die Uncoachabulls! Nein, nicht echter Regen bestehend aus der chemischen Verbindung H2O. Gemeint ist der Dreierregen, der den Tübinger Basketballern besonders in den letzten drei Spielen widerfahren ist. 10 Dreier im Heimspiel gegen die Rottweil Werewolves, ganze 17 beim Derby in Pfrondorf und dann wieder 10 Dreier im Kellerduell gegen die SG Schramberg. Gegen die Holzgerlingen Dynamites, die bislang eine sagenhafte Rückrunde bestreiten konnten und 7 der 8 Spiele in 2017 für sich entschieden, wollten die Basketballfreunde aus Tübingen endlich wieder konsequenter verteidigen. Vor allem sannen sie danach die Distanzwürfe der Gäste zu vermeiden.

Vor der Begegnung, dem übrigens letzten Heimspiel der Saison 2016/217, verfielen die Uncoachabulls wieder in alte Muster. Chaos pur war angesagt. Dreifach-Papa Alex Bitzer traf am Spielort ohne Basketballschuhe ein, was für ihn eine schnelle Rückfahrt nach Hause bedeutete. Jason “X Factor” Kaempf hatte noch seine dienstlichen Touren zu fahren und kam quasi zum Tip Off und der Rest vom Fest machte sich auch so koordiniert und konzentriert warm, wie ein Haufen Gallier aus Asterix’ Heimatdorf. Man merkte, dass die Uncoachabulls eine gewisse Larifari-Mentalität – übrigens nicht zu verwechseln mit der Rastafari-Religion – an den Tag legten. Dies lag entweder daran, dass man bereits als Absteiger feststand oder weil das Spiel zur besten Mittagszeit um 12:30 Uhr stattfand oder vielleicht auch an beiden Dingen zugleich.

Die Gäste konterten soviel Gelassenheit von Beginn an mit ihrer eigenen personifizierten Gelassenheit: Mayo Ganesharatnam. Das Schweizer Taschenmesser der ansonsten hochexplosiven Truppe lenkte das Spiel der Dynamites vom Start weg sehr routiniert. Die verhalf dem Team zu leichten Vorteilen in den ersten Spielsequenzen. Allerdings stachen auch die vielen Offensivrebounds der Gastmannschaft deutlich hervor, weshalb Coach Gianni Greco bereits nach fünf Spielminuten zur ersten Auszeit bat. Mit der Verteidigung war er an sich zufrieden, nur die defensive Reboundarbeit der Uncoachabulls ließ sehr zu wünschen übrig. Doch nachdem er dieses Versäumnis offen angesprochen hatte, hatten die Hausherren ihre leicht passive Haltung abgeschüttelt und konnten nun mit einer fokussierten Verteidigung ein paar Nadelstiche setzen. Dies verhalf den Uncoachabulls zu einer kleinen (und leicht ungewohnten) Führung von 18:12 nach 10 Spielminuten. Dreier-Bilanz nach dem ersten Viertel: 3 zu 0 für die Uncoachabulls.

Jetzt wähnten sich die Uncoachabulls wohl schon in einem sicheren Hafen. Die Realität holte sie jedoch schnell wieder ab. Irgendwie scheinen die Gastgeber auf dem Weg zum sicheren Hafen falsch abgebogen zu sein. Bis zur achten Spielminute des zweiten Quarters dauerte es, bis die Unistädter endlich ihren ersten Korb dieses Spielabschnitts machten. Immerhin stoppte dieser solide Dreier einen 17:0-Lauf der Dynamites. Die Neckarstädter lagen somit zwei Minuten vor der Halbzeitpause mit 8 Punkten im Hintertreffen. Unglaublich! Wie so oft in den vergangenen Spielen, hatten die Uncoachabulls einen gewissen Blackout, der dazu führte, dass man einmal mehr einem Rückstand hinterher rennen musste. Bis zur Halbzeit konnte das Defizit immerhin auf 5 Korbpunkte reduziert werden. Spielstand nach den ersten 20 Minuten: 26:31. Dreier-Bilanz zur Halbzeit: 5 zu 0 für die Uncoachabulls.

Nach den Erfahrungen der letzten Begegnungen war nun klar: das dritte Viertel darf dieses Mal keinen Dreierregen für die Kontrahenten geben. Die Uncoachabulls wollten mit allen fairen Mitteln verhindern, dass sie ein weiteres drittes Viertel im durch eine Dreierflut verursachtem Hochwasser untergehen. Dieses Bestreben war definitiv erfolgreich. Für die anwesenden Zuschauer ergab sich nun ein sehr munteres Hin und Her mit einigen tollen Offensiv-Aktionen und Verteidigungssequenzen. Beide Teams verteidigten sehr gut und beide Mannschaften waren auch in der Offense sehr konsequent. Die Führung wechselte immer mal wieder von der einen zur anderen Seite. Bis die Gäste vom Ursprung der Aich einen kleinen 5:0-Run in den letzten Sekunden des Viertels hinlegten. Plötzlich waren sie mit 7 Punkten in Front, sodass die Anzeigetafel einen Spielstand von 41:48 aus Sicht der Uncoachabulls anzeigte. Dreier-Bilanz nach dem dritten Viertel: 7 zu 0 für die Hausherren.

Ins letzte Viertel starteten die Gäste gleich mit weiteren drei Punkten. Damit waren die Holzgerlinger mit einem Mal auf ganze 10 Punkte davon gerannt. 10 Punkte zurück und noch ca. 9 Minuten zu spielen? Diese Konstellation hatten die Tübinger Basketballer neulich auch in Haiterbach vorgefunden, wo sie am Ende dann doch noch ihren zweiten Saisonsieg einheimsen konnten. Mit diesem Mut machendem Fakt im Hinterkopf schlugen die Unistädter innerhalb von vier Minuten ganz unverhofft zurück. Ein Lauf von 12:0 Punkten war ihnen in diesem Zeitraum gelungen. Plötzlich lagen sie also wieder vorne und eine spannende Schlussphase kündigte sich an. Die Crunchtime war dann von Taktik und Big Plays geprägt. Beide Abwehrreihen standen felsenfest und ließen alles abprallen, was auf sie zukam. Wenn sich dann doch ein erfolgreicher Spielzug reinmogelte, konnte das jeweils andere Team mit der passenden Antwort kontern. In der letzten Spielminute verwandelte dann Musik-Virtuose Brett Youens seine beiden Freiwürfe, um seine Farben mit einem 57:56 in Front zu bringen. Die bis dahin unrühmliche Freiwurfquote der Gastgeber war jetzt kein Thema mehr. Nur noch wenige Sekunden waren noch zu spielen. Der SV Holzgerlingen nahm nach dem zweiten Freiwurf von Brett eine Auszeit und durfte dadurch im Vorfeld, also in der Hälfte der Tübinger, den Ball einwerfen. Bisher hatten die Dynamites im Spiel keinen einzigen Dreier getroffen, weshalb sich die Verteidigung der Neckarstädter auf die Bewegungen in Richtung Korb konzentrierte. Und genau jetzt setzte Sebastian Hahn, sowas wie der Punktegarant der Aichstädter, zum Dreier an und verwandelte diesen Wurf ohne mit der Wimper zu zucken. Wow! Das war ein Statement. Doch im Gegenzug bot sich den Uncoachabulls auch eine Wurfchance aus der Ecke. Leider vergab der bis dahin recht treffsichere Gianni seinen Dreierversuch und zwang damit seine Mannschaftskollegen zu einem schnellen “Stop-the-Clock”-Foul. Eigentlich erwischten sie mit Emanuele Carbonara genau den “Richtigen”. Seine Saisonfreiwurfquote von knapp über 50% war bisher nicht so berühmt. Doch auch hier wieder das gleiche Bild – beide Würfe souverän verwandelt. Nerven wie Drahtseile. Junge, Junge! Nach einer kurzen Auszeit dann noch ein letzter Versuch der Gastgeber – vergeblich. Das Spiel war gelaufen, die nächste Niederlage besiegelt. Am Ende verlieren die Uncoachabulls mit 57:63.

Die Kombination aus der Headline war 10, 17, 10 und dann die 1. Wofür stand die 1? Natürlich für den einzigen von den Unistädtern zugelassenen Dreier der Gäste. Einen einzigen Dreier haben die Uncoachabulls kassiert. Und wieder war es für sie der Neckbreaker. Verrückte Welt! Wer aber so hammerhart eiskalt in den Schlusssekunden agiert, hat sich den Sieg natürlich verdient. Glückwunsch also an den SV Holzgerlingen, der seine glänzende Rückrundenbilanz zum Abschluss noch mit etwas Sahne krönt. Die Uncoachabulls dürfen sich aber darüber freuen, dass sie endlich wieder ein sehr ordentliches Spiel abgeliefert haben und sich eine echte Chance auf den Sieg erspielt hatten. Das Ganze gegen ein Team, das in den Partien zuvor sowohl den Meister TB Kirchentellinsfurt als auch die TSG Balingen mal sowas von zerstört hatte. Die Mannschaft bedauerte zwar, dass es wieder nicht für einen Erfolg reichte. Gleichzeitig war aber auch eine gewisse Erleichterung zu spüren – sowas wie ein Wir-Können-Es-Also-Doch-Noch-Gefühl. Negativ erwähnen muss man aber, dass die Uncoachabulls kein einziges Heimspiel in der Uhlandhalle gewinnen konnten. Von den 8 Spielen in der Heimstätte in der Uhlandstraße gingen alle verloren. Schade.

Jetzt steht am kommenden Samstag das letzte Spiel an. Der Meister fordert den Tabellenletzten noch zu einem letzten Duell heraus. Die Gastgeber vom TB K’furt laden am 08.04.2017 um 18:00 Uhr zur Meisterfeier. Ob der Termin extra so verschoben wurde, damit die feiernde Meute die Uncoachabulls als Opfer der Gladiatorenspiele bekommt? Den Tübinger Basketballern kann man aber eines nicht absprechen: sie kämpfen bis zum Umfallen! Vielleicht siegen ja die Underdogs und schließen somit die Runde positiv ab. Lassen wir uns überraschen.