26.11.2009: SV Weilheim vs SV 03 Tübingen 4

Ein Basketball Kreisligaspiel an einem Donnerstagabend in der Tübinger Region? Das kann nur eines bedeuten: die Weilheim Crocodiles haben ein Heimspiel. In diesem Fall bedeutete es sogar, dass es sich um ein Derby handelt, das eigentlich seinesgleichen sucht! Die Schläfer vom Neckar – offiziell bekannt als SV 03 Tübingen IV – schickten sich an in der Weilheimer Rammerthalle zu gastieren. Im Hinspiel konnten sich die Schläfer dabei noch deutlich durchsetzen. Wer sich daran erinnert, weiß, dass es sich dabei nicht um spielerisches Schmankerl handelte, sondern eher in die Kategorie „bitte ganz schnell vergessen!“ hineinpasste. Trotzdem bedeutete dieser Derbysieg im Hinspiel einen erfolgreichen Saisonauftakt für die Schläfer. Auch an diesem Donnerstagabend hatten die Tübinger vor, 2 Punkte aus Weilheim zu entführen und damit einen wichtigen Schritt in Richtung Zwischenrunde zu machen. Deshalb meldeten sich auch ganze 11 Schläfer für diese Partie. Darunter auch der hoch dekorierte Motivator Dirk „Coach L.“ Lober und der frisch gebackene Papa Dr. Tsunami Küper. Trotz der hohen Qualitäts- und Quantitätsdichte mussten die Schläfer auch weiterhin auf die schon länger verletzten Tin Johanning und Basti „Fantasti“ Rudischer verzichten. Ebenfalls nicht dabei waren Steffen „Boscho“ Bosch und der in Budapest weilende Patrick „Matze“ Schaefer. Dennoch: das Coach-Duo Lober/Küper konnte auf einen aussichtsreichen Kader zurückgreifen.

Das Weilheimer Team um Kult-Coach Kenny Jones hatte sich für die bevorstehende Partie ebenfalls viel vorgenommen. Die ersten Minuten waren aber hauptsächlich von zwei Spielern geprägt. Zum einen wuselte sich der Weilheimer Aman Abraham gleich vier Mal gekonnt zum Korberfolg, zum anderen hatte auf Seiten der Schläfer Fabi Herwig einen starken Start erwischt. Dies nutzte er sogar für ganze 11 Punkte im gesamten ersten Viertel aus. Ebenfalls einen recht guten Auftakt legte der Tübinger Riese aus Österreich Georg Meierhofer an den Tag. Einige bedeutende Rebounds mit anschließenden Korberfolgen waren das Ergebnis von konsequentem Einsatz. Für alle anderen Spieler galt, dass sie sich erstmal in die Begegnung hineintasten mussten. So blieb es im ersten Spielabschnitt zunächst noch ausgeglichen, was einen weiteren spannenden Spielverlauf versprach. Nach den ersten zehn Minuten führten die Gäste aus der Innenstadt hauchdünn mit 20:19.

In der Viertelpause besprachen sich die Schläfer über das weitere Vorgehen. Das Coaching-Ensemble war mit der Defensivarbeit noch nicht ganz zufrieden. Auch in der Offense gab es noch erhebliche Defizite, die nur noch nicht so gravierend waren, weil Fabi Herwig das richtige Zielwasser erwischt hatte. Die Schläfer versuchten also eine kleine Taktikänderung. Diese Neuausrichtung sollte sich als gut erweisen. In den nächsten sechs Spielminuten schafften die Gastgeber nämlich keinen einzigen Korberfolg, wohingegen die Schläfer immerhin einen 8:0-Lauf starten konnten. Sollten sich die Schläfer schon auf dem richtigen Weg befinden? Die nächsten drei Minuten konnten dies mitnichten bestätigen, da der SV Weilheim ebenfalls mit einem 8:0-Run konterte. Bis zum Viertelende und damit auch gleichbedeutend bis zur Halbzeitpause schafften es die Schläfer vom Neckar sich irgendwie auf 6 Punkte abzusetzen. Einen schönen Sport durften die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt aber nicht bestaunen. Vieles war einfach nur Stückwerk und zum Teil aus der Not geboren. Das galt sowohl für den Gastgeber als auch für die Gäste. Zur Halbzeit führten die Schläfer bei einem Spielstand von 36:30 weiterhin.

In der Halbzeitpause war zu spüren, dass die Schläfer eine gewisse Sicherheit hatten. Zwar war die bisher gezeigte Leistung wieder meilenweit entfernt von den vorangegangenen beiden Spielen, aber es konnte sich der Eindruck einschleichen, dass der SV Weilheim den SV 03 Tübingen nicht wirklich gefährden könne. Viel zu oft hatten die Schläfer eine Antwort parat und auch die häufigen Wechsel auf Weilheimer Seite hatten ihren Spielfluss gestört.

Was nun folgte, sollte die Tübinger bis ins Mark treffen. In den ersten beiden Minuten der zweiten Spielhälfte gelang keinem der beiden Teams etwas. Doch plötzlich legten die Weilheimer los. Angetrieben von Aufbau Domogolla fanden die Gastgeber immer wieder einen Weg durch die Abwehrreihen der Schläfer. In der Rückwärtsbewegung waren die Gäste so langsam, dass selbst auf dem kleinen Spielfeld der Rammerthalle kein Hinterkommen mehr möglich war. Ein 9:0-Lauf war die Folge dieser sehr unkonzentrierten Phase der Schläfer. Da die Weilheimer Crocodiles nun auch die Führung übernommen hatten, bat Coach L. zur Auszeit. Das Einschwören auf die Wichtigkeit dieser Partie zeigte kurze Zeit auch tatsächlich seine Wirkung. Die Schläfer erkämpften den Ausgleich und gingen kurze Zeit später auch knapp in Führung. Doch dieser Zustand währte auch nur bis zur Viertelpause, in die die Schläfer mit einem zeitungsseitenbreiten Vorsprung von einem Punkt gingen.

Die Schläfer vom Neckar waren angeknockt und dies spürten die Gastgeber, die ihrerseits auch von den eigenen Fans lautstark angefeuert wurden. Und so war es kein Wunder, dass die Schläfer immer mehr den Faden verloren. Vor allem die nun erschreckend schlechte Defense war der Knackpunkt. In der Offensive sind die Schläfer in dieser Saison ohnehin nicht so stark, aber auf die Verteidigung war bislang in den meisten Fällen weitestgehend verlass. Aus der klar ersichtlichen Ratlosigkeit der Schläfer entwickelte sich nun auch ziemlich schnell eine gewisse Form von Resignation. Man haderte mit dem Schicksal und teilweise auch mit dem Schiedsrichtergespann. Beides war nicht unbedingt angebracht. Der Wille zum Sieg war zwar da, aber es fehlte ein Plan zur Umsetzung dieses Ziels. Beim Stand von 53:56 aus Sicht der Schläfer leistete sich der eigentlich ansonsten immer routiniert auftretende Nils Gottfried ein technisches Foul als er nach einem Kampf um den Rebound mit der Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden war und dies mit einem lauten „Nein!“ gepaart mit einem klatschenden „High Five“ gegen die Wand kommentierte. Die beiden fälligen Freiwürfe wurden durch die Crocodiles verwandelt und auch der nächste Spielzug wurde erfolgreich durch die Weilheimer abgeschlossen. Binnen weniger Sekunden führten die Gastgeber damit sogar mit 7 Punkten. Dass die Schläfer durchaus bereit waren zu kämpfen, merkte man in den Folgeminuten. So kämpften sie sich kurzzeitig wieder auf drei Punkte heran. Als sich dann aber in der vorletzten Spielminuten schnell wieder die Fehler der bisherigen zweiten Halbzeit wiederholten, war der Drops quasi gelutscht. Bis zum Ende der Partie erhöhten die Weilheimer den Vorsprung wieder, um am Ende mit 70:62 zu siegen.

Eine ehrliche und objektive Analyse dieses Derbys kann nur zu dem Ergebnis kommen, dass die Weilheim Crocodiles verdient gewonnen haben. Vor allem in der zweiten Halbzeit hatten sie für den Sieg deutlich mehr getan als die Schläfer. Die zweite Halbzeit der Schläfer lässt sich schnell zusammenfassen: zerfahrene Offense, schlechte Defense, verlorenes Spiel. Ganz einfach. Nachdem man in den letzten beiden Spielen das Gefühl bekommen konnte, dass die Schläfer endlich in die Saison gefunden haben, so ist diese Niederlage und vor allem auch das Zustandekommen dieser Niederlage sehr ernüchternd. Es bleibt natürlich die Hoffnung, dass es sich dabei nur um einen Ausrutscher handelte, der mit einer gewissen Überheblichkeit und Unterschätzung des Gegners zu erklären ist. Echte Gewissheit wird man aber erst haben, wenn die Schläfer zum nächsten Spiel antreten.

In einem Spiel, bei dem es dieses Mal nicht nur vorrangig um die Ehre gehen wird, treffen die Schläfer vom Neckar bereits am kommenden Sonntag (29.11.2009) in der Tübinger Unihalle um 19 Uhr in einem Auswärtsspiel auf die TV Derendingen Allstars. Mit den Allstars vom TVD haben die Schläfer noch eine Rechnung offen, da sie in der heimischen Paul-Horn-Arena in einem unansehnlichen Spiel während der Vorrunde mit 43:56 baden gingen. Doch für beide Teams geht es auch noch um das Ziel „Zwischenrunde“. Es wird sicherlich ein heißer Tanz zu erwarten sein. Deshalb freuen sich die Schläfer über zahlreiche Zuschauer und Sympathisanten, die vielleicht den überschaubaren Anreiseweg in Kauf nehmen und eine sicherlich spannende Begegnung sehen wollen.