Autsch! Voll auf die Nüsse!

Zugegeben, mit seriösem Journalismus hat die Überschrift nichts zu tun. Dennoch gibt es für den Saisonauftakt der Schläfer vom Neckar eigentlich keinen zutreffenderen Titel. Ohne Umschweife und ohne falschen Derby-Neid darf man dem TV Derendingen III zu einer rundum sehr guten Leistung gratulieren. Mit einem ungefährdeten 115:74 Sieg holten sie die Schläfer gleich im ersten Spiel wieder auf den Boden der Tatsachen.

Nachdem die Saison 2009/2010 prinzipiell sehr erfolgreich für die Schläfer vom Neckar verlief, bedeutete das letzte Spiel aber ein abruptes Saisonende. Die Schmach aus der letzten Saison lag nun aber bereits einige Monate zurück und war eigentlich schon verdaut. So freuten sich die Schläfer auf die neue Spielzeit, die sogar mit einem echten Schmankerl beginnen sollte. Der Bezirksligaabsteiger und direkte Nachbar TV Derendingen III war der erste Gegner der neuen Spielrunde. Spielzeit: 20 Uhr; Spielort: Uhlandhalle Tübingen. Kann man sich als Tübinger Basketballer einen besseren Saisonstart wünschen. Derby-Time on Primetime! So war es auch nicht verwunderlich, dass sich gleich ganze 12 Schläfer anschickten, um die Saison gebührend begrüßen zu können. Auch der TVD reiste mit 10 Spielern an, was wiederum zeigt, wie ernst sie dieses Derby nahmen.

Nach einem umfassenden Aufwärmprogramm und einer einschwörenden Vorbesprechung waren die Schläfer bis in die Haarspitzen motiviert zum Hochball angetreten. Zwar verloren die Schläfer die einzige Sprungballsituation der Partie, aber trotzdem hatten sie die Gelegenheit die ersten Punkte der Begegnung zu erzielen. Diese Gelegenheit wurde dann auch gleich von Mike Klaus genutzt und die Schläfer durften die erste Führung der Saison feiern. Die Freude hielt nur kurz an. Die Tübinger Vorstädter aus Derendingen konnten die Anfangsphase offen gestalten. Auf beiden Seiten war eine gewisse Nervosität zu spüren. Einen Fehler wollte keines der beiden Teams machen. Zerfahren war das Spiel dadurch zwar nicht, aber ein echter Spielfluss wollte dennoch nicht entstehen. Beide Defensivreihen machten zudem bis zu diesem Zeitpunkt einen ganz guten Job und ließen nur wenige gute Offensivaktionen zu. Die ein oder andere Lücke tat sich dann aber doch hin und wieder mal auf. Simon Schmid auf Seiten der Gäste und Steffen „Boscho“ Bosch auf Schläfer-Seite waren in dieser Phase besonders hervorzuheben. Beide avancierten schon zu diesem Zeitpunkt zu potenziellen Topscorern. Ab Mitte des ersten Viertels verlor das Spiel dann aber doch etwas den Faden. Das Schiedsrichtergespann schritt etwas übereifrig zur Tat und damit hatten dann beide Mannschaften zu kämpfen. Spielfluss ade. Um seinen Jungs Verschnaufpausen zu gönnen, wechselte Coach Dr. Tsunami Küper die Starting Five nach und nach aus und tauschte dabei eigentlich die Positionen eins zu eins. Trotzdem waren die Schläfer beim Stand von 19:18 auf einmal komplett von der Rolle. Ein schneller 9:0 Lauf der Gäste bedeutete plötzlich einen 19:27 Rückstand zur ersten Viertelpause der Partie.

Nach der ersten kurzen Pause ging es gleich schlecht weiter für die Schläfer vom Neckar. In den ersten vier Minuten wollte kein erfolgreicher Korb gelingen. Und der TVD schoss sich nun so langsam richtig warm. Mit einer traumwandlerischen Trefferquote auch von jenseits der 6,75-Meter-Linie zogen die Gäste den Hausherren davon. Als Fabian Herwig in der fünften Spielminute des zweiten Spielabschnitts seine ersten Punkte der Begegnung markierte, waren die Derendinger bereits mit 39:19 in Front gelegen. Die Schläfer spielten aber ohne Auszeit weiter und versuchten mit vereinten Kräften wieder zurück ins Spiel zu finden. Doch auch das half nicht wirklich weiter. Zu viele Ballverluste und zu wenig erfolgreiche Korbaktionen resultierten in schnelle Tempogegenstöße. Resultat war, dass die recht zahlreich erschienen Zuschauer (ca. 25) zur Halbzeit einen riesigen Rückstand von 30:57 verkraften mussten. So richtig wussten die Schläfer zu diesem Zeitpunkt die Situation einzuschätzen. Etwas ungläubig fanden sich die Gastgeber auf der eigenen Auswechselbank ein und versuchten das gerade Geschehene zu verstehen. Verunsichert waren sie nun zugegebenermaßen schon, aber aufgegeben hatten sie sich noch nicht.

Auch wenn 27 Punkte Rückstand schon ein sehr happiges Polster sind, hatten die Schläfer das Ziel ausgelobt, sich zurückzukämpfen und dann zu schauen, was man daraus noch machen kann. Mit etwas mehr Konstanz war dann auch wieder mehr zu erreichen. Die Konzentration war wieder zurück. Einige gute und auch erfolgreiche Spielzüge der Tübinger Basketballer folgten sogleich. Das schien Eric Oswald-Suarez, Coach der Derendinger, gar nicht zu gefallen. Bereits nach zwei Minuten bat er seine Schützlinge zur Auszeit. Die Schläfer beeindruckte dies aber keineswegs. Zwar war es für sie auch nicht möglich in großen Schritten an den TVD heranzukommen, aber schlimmer wurde es zu diesem Zeitpunkt auch nicht. Vor allem stimmte nun auch die Bissigkeit in der Verteidigung wieder. Zwischenzeitlich hatten die Schläfer die notwendige Aggressivität vermissen lassen, das war aber jetzt vorerst vorbei. Das Spiel konnte die Zuschauer trotz des kleinen Schläfer-Comebacks leider trotzdem nicht von den Sitzen reißen. Viel zu oft wurden Spielsituationen unnötigerweise durch Foulpfiffe unterbrochen. Die Folge war ein sehr zäher Spielfluss. Da dieses Viertel aber recht ausgeglichen verlief, waren die Schläfer nicht weiter großartig in Rückstand geraten. Gemessen am 52:80 zur letzten Viertelpause war das aber natürlich kein Trost.

Die Partie war entschieden. Daran ließen die Gäste aus der Tübinger Vorstadt auch keinen Zweifel. Sie ließen nicht eine Sekunde locker, sondern suchten immer weiter nach ihren Chancen, die Schläfer in die Schranken weisen zu können. In den ersten zwei Minuten änderte sich am Spielstand aber nicht viel. Dann aber fanden die Derendinger wieder den Weg die Schläfer zu Ballverlusten zu zwingen. Der Backup Backcourt hatte Probleme beim Ballvortrag. Schnelle Fastbreaks und 3 gegen 0 Situationen waren eine folgenschwere Kombination, die die Moral der Schläfer noch brechen ließ. Als sich dann auch noch der aufopferungsvoll kämpfende Boscho nach einem Zusammenprall mit dem wieselflinken und sprungstarken Etienne Ravoro Akendengue (TV Derendingen) am Knie verletzte, waren die Schläfer völlig von der Rolle. Kaum ein Angriff fand mehr geordnet statt. Vielmehr forcierten die Gäste nun auch noch die Defensive. Mit einer kurzen Pressingphase setzten sie den Mannen vom SV 03 Tübingen immer weiter zu. Taktische Fouls waren nun angesagt. So verabschiedeten sich zunächst Nils Gottfried und dann auch Fabian Herwig mit fünf persönlichen Fouls frustriert auf die Bank. Mike Klaus und Patrick „Matze“ Schaefer waren auch kurz vor dem persönlichen Aus, konnten sich aber noch über die Zeit retten. Da der TVD noch ein gewisses Punkteziel verfolgte, ließen sie auch bis zum Ende des Derbys nicht locker. Vier Punkte luchsten die Gastgeber den an diesem Tag übermächtigen Gegner in der Schlussphase dann aber doch noch ab. Am Ende stand jedoch ein verdienter Derendinger Sieg auf dem Spielberichtsbogen. Mit 74:115 gingen die Schläfer vom Neckar regelrecht unter.

Nach der Begegnung herrschte Fassungslosigkeit auf Seiten der Schläfer. Man hatte zwar nicht fest mit einem Sieg gerechnet, aber dass man gleich so auseinandergenommen werden würde, hatten sie sich dann doch nicht erträumen lassen. Ein wenig desillusioniert und mit Sorgen um ihren wichtigen Starter Boscho verabschiedeten sich die Schläfer schnell in die Katakomben der altehrwürdigen Uhlandhalle. 74 Punkte sind für Schläferverhältnisse gar nicht so übel, 115 Gegenpunkte sind dagegen ein negativer Höhepunkt. Selbst die dienstältesten Schläfer konnten sich nicht an eine solch herbe Niederlage mehr erinnern.

Auf die Schläfer wartet nun sehr viel Arbeit. Zunächst müssen die Fehler genau definiert und dann analysiert werden. Dies wird aber einige Zeit dauern, denn es gab wirklich nicht viel Positives aus diesem Spiel mitzunehmen. Einzelne Fehler herauszuheben fällt da auch sehr schwer und wäre auch nicht wirklich fair. Man kann aber festhalten, dass es nach einer solchen Niederlage nur mit konzentrierter Vorgehensweise und nüchterner Selbstkritik weitergehen kann.

Es gab aber auch etwas Erfreuliches zu berichten und vielleicht sollte man genau an diesem Punkt weiter ansetzen: die Schläfer haben sich lange gegen die drohende Niederlage gewehrt. Auch wenn es qualitativ zu wenig war, als Team haben sie es dennoch immer weiter versucht. Das wird an einzelnen schönen Spielzügen deutlich, die nur durch die fortgeführte Motivation möglich waren.

Jetzt haben die Schläfer bis zum kommenden Sonntag (17.10.2010, 15.30 Uhr) Zeit sich die Wunden zu lecken und schnell wieder in die Spur zurückzufinden. Dann geht es nämlich in die Schulsporthalle Eschenried zum VfL Sindelfingen 2. Unterstützung können die Schläfer allemal gebrauchen. Wer Interesse hat mitzureisen, darf sich gerne im Gästebuch der Schläfer-Website melden.