Alle Jahre wieder!

Nein, es ist noch nicht Weihnachten! Zwar erinnert die Headline „alle Jahre wieder“ an ein berühmtes Weihnachtslied, gemeint ist damit aber der alljährliche und inzwischen obligatorische Besuch der Schläfer vom Neckar einer Sindelfinger Sporthalle. Auch in dieser Saison darf ein Basketball-Team des VfL Sindelfingen nicht auf der Liste der Auswärtsfahrten fehlen. Dieses Mal war nach einjähriger Pause wieder der VfL Sindelfingen 2 an der Reihe. In den vergangenen Jahren hatte man gegen diese Mannschaft bereits einige Siege einfahren können, die mitunter auch sehr deutlich ausfielen. Nach der niederschlagenden Niederlage zum Auftakt gegen den TV Derendingen 3 mussten die Schläfer vom Neckar einen Erfolg mit nach Tübingen bringen.

Eine vernichtende Niederlage zu Saisonbeginn im Rücken reisten die Schläfer vom Neckar einmal mehr in Richtung Sindelfingen. Jede Saison gehört mindestens ein Besuch in Sindelfingen zum Pflichtprogramm der Schläfer. War es in der vergangenen Spielzeit der VfL Sindelfingen 3 so war es dieses Mal nach einer einjährigen Pause der VfL Sindelfingen 2, der die Unistädter aus Tübingen herausforderte. In der jüngeren Vergangenheit war die Sindelfinger Eschenriedhalle für die Gäste ein sehr gutes Pflaster. Dies sollte in dieser Saison nach dem Geschmack von Team-Manager Gianni Greco nicht anders werden. Waren es im Heimspiel vor einer Woche noch 12 Schläfer, die sich das Trikot übergezogen hatten, war es dieses Mal deutlich schwieriger einsatzfähige Spieler zu finden. So traten die Tübinger als „Siebenschläfer“ zu dieser Partie an. Alle sieben Jungs hatten aber vorher noch einen griechischen Intensivkurs bei Christos Skouras absolviert, um auch sprachlich gegen den VfL Sindelfingen bestehen zu können.

Die Starting Five der Schläfer stellte sich quasi von alleine auf: die Centerpositionen wurden von Steffen „Boscho“ Bosch und Mike Klaus eingenommen, auf den Flügeln fanden sich Fabian Herwig und Stefan „Stoffel“ Kehrer wieder und den Spielaufbau nahm Gianni Greco in die Hand. Da sich der Spielertrainer (aus Selbstliebe?) immer selbst aufstellen muss und Patrick „Matze“ Schaefer freiwillig auf einen Startplatz verzichtete, waren dann auch die beiden Bankplätze durch Matze Schaefer und Alessandro Pricci besetzt. In der Anfangsphase des Spieles zeigten die Gäste zunächst, weshalb sie den Titel „Schläfer“ überhaupt tragen. Im Stile eines Siebenschläfers war die erste Phase etwas verpennt worden. Das machten sich die Gastgeber zu nutze und gingen gleich mit 2:0 in Führung. Eine Minute später kamen die Tübinger Basketballer durch Boscho erst zu ihrem ersten Korberfolg. Da er aber noch gleich vier weitere Punkte folgen ließ, war die Führung schon in der zweiten Spielminute wieder zugunsten der Schläfer gewechselt. Zwar geht jetzt durch den folgenden Satz sicher der Spannungsbogen verloren, aber es ist so wie es ist: die Schläfer vom Neckar gaben diesen Vorteil nicht mehr her. Die Pressestelle entschuldigt sich bei allen Lesern für diesen gewollten Faux-Pas, es ließ sich aber nicht vermeiden. Vom VfL Sindelfingen war bereits zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu erwarten. Nachdem sie in Rückstand geraten waren und merkten, dass sie vor allem unter dem Korb nichts entgegensetzen konnten, flüchteten sie sich in haarsträubende Angriffsszenarien. Wilde Dreipunktwürfe, unfassbar fahrlässige Pässe und glücklose Dribblings waren bereits jetzt an der Tagesordnung. Dass es zur Viertelpause nur 18:11 für die Schläfer stand, lag an den etlichen vergebenen einfachen Chancen.

Den Schläfern war klar, dass diese Gelegenheiten besser genutzt werden sollten. Gegen andere Gegner könnte eine solche Fahrlässigkeit bei der Chancenverwertung verheerende Folgen haben. Zum Glück, und das ist kein mangelnder Respekt gegenüber dem Gegner, hieß der Gastgeber in diesem Fall VfL Sindelfingen 2. Der inzwischen in die Partie gekommene Matze Schaefer zeigte seinen Mitspielern dann aber wie es richtig geht. Innerhalb von einer Spielminute hatte er 8:0-Lauf eingeleitet und steuerte selbst sechs Punkte dazu. Und auch in den Folgeminuten ließ er noch weitere Korberfolge folgen. Nach fünf Spielminuten im zweiten Viertel ist der Run der Unistädter auf ein 18:6 angewachsen. Spätestens jetzt war allen Beteiligten klar, dass hier die Würfel gefallen waren. Der Lauf der Schläfer ging auch noch in den Folgeminuten weiter. Neben Matze Schaefer trugen sich in diesem Spielabschnitt noch Boscho, Alessandro und Fabi Herwig mit einigen Punkten in den Spielberichtsbogen ein. Zur Halbzeit führten die Schläfer bereits klar mit 52:24.

Ehrlich gesagt, hätten die Schläfer inzwischen noch höher führen können. Allerdings muss man auch zugeben, dass die Konzentration bei einem solchen Spielverlauf nur schwer aufrecht zu erhalten ist. Doch ab jetzt war wieder etwas mehr Vorsicht geboten. Bei den Gastgebern aus der Daimler-Stadt war mit Niko Ntoussis ein gefährlicher Mann unter dem Korb noch dazugestoßen.  Und tatsächlich war das Spiel auf einmal etwas anders. In der Zone hatten die Sindelfinger nun wieder etwas mehr Präsenz und damit hatten es die Schläfer nicht mehr ganz so einfach zu Punkten zu kommen. Eingeschüchtert waren die SVler aber keineswegs, denn dazu hatten sie auch gar keinen Grund. Auch weiterhin bestimmten sie das Spielgeschehen. Es fehlte allerdings an der letzten Konsequenz und deshalb verdeutlichte sich der Vorsprung nicht so sehr wie im vorangegangenen Viertel. Das Viertelergebnis lautete 26:21 aus Sicht der Gäste, das tatsächliche Ergebnis war bereits bei einem 78:43 angekommen.

Was bei den Schläfern eigentlich nur sehr selten zu sehen ist, schien dieses Mal machbar: die 100-Punkte-Grenze zu knacken. Zuerst aber noch eine kurze Anmerkung zu den aktuellen Statistiken von N. Ntoussis. Neben sehr guten 11 Punkten hatte der erst zur Halbzeit erschienene Sindelfinger  auch schon sein viertes persönliches Foul kassiert. Was im Grunde recht kurios klingt, ist in Wirklichkeit aber ein Musterbeispiel für das Spiel des VfL. Ntoussis war mit seinem Einsatzwillen allein auf weiter Flur. Von seinen Kameraden kam nur wenig Konstruktives. Als die Schläfer dann auch noch eine konzentrierte Phase – in der Stoffel Kehrer wieder seine Fastbreak-Qualitäten aufblitzen ließ, auf den Court brachten, drohte die Begegnung kurzzeitig emotional zu kippen. Die sichtlich frustrierten Gastgeber hatten für das eigentliche Spiel nur noch wenig Sinn. Jetzt ging es ihnen wohl nur noch darum, den Frust auszuleben. Unschöne physische und verbale Provokationen waren nun eher gefragt als gepflegter Basketballsport. Die Tübinger Unistädter ließen sich aber nicht wirklich davon beeindrucken, sondern spielten einfach das Spiel zuende. Es blieb ihnen im Grunde auch nichts anderes mehr übrig, denn auch das Schiedsrichtergespann wünschte sich bereits unter die Dusche. Foulpfiffe wurden dadurch rarer als sie vielleicht hätten sein sollen. Nun aber noch zu den erfreulichen Dingen. Die 100 Punkte wurden geknackt. Diese Schallmauer wurde durch Mike Klaus per Dreipunktwurf durchbrochen als er den Zwischenstand von 102:50 markierte. Viel passierte danach dann auch nicht mehr und so endete das Spiel mit 104:55 für die sieben Schläfer.

Der ungefährdete Sieg war damit unter Dach und Fach, was zugleich auch den ersten Saisonerfolg der Schläfer bedeutete. Das Endergebnis war mit 104:55 sehr deutlich, worüber die Jungs des SV 03 Tübingen natürlich sehr freuten. Trotzdem war allen Beteiligten klar, dass es noch einige Lücken gibt, die es zu schließen gilt. Team-Manager Gianni Greco ist über diesen Umstand aber gar nicht so unglücklich. „Ein hoher Sieg bringt wieder Selbstvertrauen in die Truppe und die noch zu verbessernden Dinge lassen einen trotzdem noch auf dem Boden der Tatsachen bleiben.“ Er ist also überzeugt, dass alle Schläfer auch weiterhin konzentriert zu Werke gehen werden.

Genau das wird auch weiterhin von ihnen gefordert sein. Die in dieser Saison sehr starke Hauptrundenstaffel der Schläfer hat mit dem Bezirksligaabsteiger SV Böblingen 2 einen weiteren hochkarätigen Gegner parat. Am kommenden Samstag (23.10.2010) werden die Tübinger Basketballer in die Böblinger Hermann-Raiser-Halle reisen, um um 14.30 Uhr auf die Böblinger Regionalligareserve zu treffen. Ein Team, das mit jungen und talentierten Nachwuchskräften sowie  erfahrenen Regionalliga-Akteuren bestückt ist. Chancen sind für die Schläfer vom Neckar zwar da, aber sie werden sich schon sehr strecken müssen, um in dieser Auswärtsbegegnung bestehen zu können. Unterstützung ist deshalb immer sehr willkommen.