Heat ’n‘ Flames in der Uhlandhalle

Jetzt fragt sich der aufmerksame Leser dieser Website sicherlich, was die Miami Heat und die Calgary Flames mit dem vergangenen Spiel der Tübinger Basketballer gegen den VfL Sindelfingen 2 zu tun haben. Basketball und Eishockey in der Uhlandhalle? Was haben die Schläfer vom Neckar denn damit zu tun? Die Antwort ist einfach …

… nichts haben sie damit zu tun. Und doch lässt sich zu diesen beiden Mannschaften der US-Sportwelt eine Brücke schlagen. Die Schläfer waren teilweise launisch wie die Diven der Heat und mussten sich gleichzeitig wie Eishockeyspieler gegen Ellbogenchecks und kleinere Nickligkeiten durchsetzen. Immerhin war dadurch für die anwesenden Zuschauer ausreichend Action und Unterhaltung geboten. Basketball wurde zwar auch gespielt, aber es war deutlich erkennbar, dass nicht jeder der Spielteilnehmer wirklich daran interessiert war. Die „schönste Nebensache der Welt“ erhielt dadurch auch einen etwas anderen Interpretationsansatz. Denn für den ein oder anderen handelte sich das Geschehen auf dem Spielfeld tatsächlich nur um einen nebensächlichen Schauplatz. Aus sportlicher Sicht die wichtigste Nachricht: Die Schläfer gewannen in 4 Runden nach Punkten mit 100:84.

Als letztes Spiel der Hauptrunde 2010/2011 hatte der Spielplangestalter noch ein „gewaltiges“ Schmankerl für die Schläfer vom Neckar angerichtet. Mit dem VfL Sindelfingen 2 empfingen die Tübinger Basketballer eine Mannschaft die zuweilen nicht gerade durch sportliche Fähigkeiten auffällt. Vielmehr sind diese Begegnungen in der Regel von chaotischen Spielverläufen und teilweise auch Unsportlichkeiten geprägt. Im Hinspiel hatten die Schläfer dem VfL schon sehr früh den Zahn gezogen und damit auch ein großes Frustpotenzial zu Tage geschafft. Vereinzelte Aktionen, die an versuchter Körperverletzung grenzten, waren das Resultat davon. Dieses Mal wollten die Schläfer einfach Spaß am Spiel haben und trafen sich aus diesem Grund mit 10 Mann auch recht zahlreich in der heimischen Uhlandhalle. Unter diesen 10 Schläfern befand sich mit Steffen „Wolverine“ Bosch allerdings nur ein etatmäßiger Centerspieler, der sich am Abend zuvor im Training eigentlich sogar recht unglücklich an der linken Hand verletzte.

Trotzdem setzte über Nacht wieder seine schon famose Wunderheilung ein und somit war „Boscho“ auch Teil der Startformation. An seiner Seite standen Fabian Herwig, Gianni Greco, Daniel Krcmar und Nils Gottfried. Die Startphase gehörte ganz klar den Schläfer, die sich auch dieses Mal wieder eine frühzeitige Entscheidung vornahmen. Nach vier Spielminuten führten sie bereits mit 8:0, wobei Gianni Greco mit zwei Dreipunkterfolgen den Löwenanteil für sich beanspruchen durfte. Dann kam aber auch der VfL Sindelfingen so langsam in Fahrt. In den folgenden zwei Minuten gelang den Schläfern leider erstmal nichts Zählbares mehr. Der VfL nähere sich dagegen wieder an die Gastgeber heran. Die Schläfer konnten ihrerseits dann aber wieder Kontern und waren vor allem auch weiterhin von der 6,75-Meter-Linie erfolgreich. Das führte dazu, dass die Gäste eine Auszeit nehmen mussten, um sich wieder sammeln zu können. In dieser Auszeit ermahnte Coach GG seine Mannen dazu auch unter den Körben für Gefahr zu sorgen. Bis zum Ende des Viertels konnte diese Vorgabe auch ganz gut umgesetzt werden. So führten die Schläfer mit 27:20 als die Pausensirene das erste Mal ertönte.

In der Zwischenzeit hatte bereits jeder der anwesenden Schläfer ein paar Minuten Spielzeit erhalten. Doch das recht häufige Wechseln schien den Rhythmus der Hausherren zu stören. Der im ersten Viertel noch souverän wirkende Verteidigungsstil hatte sich in eine sehr schwammige und löchrige Spielstruktur verwandelt. Nachlässigkeiten in der Defensive und vermeidbare Fehler im Angriff führten dazu, dass die Schläfer die Bindung zum Spiel verloren. Durch die ziemlich zurückhaltende Verteidigung der Gäste gelangen zwar immernoch Punkte, allerdings hätten es zugegebenermaßen noch mehr Korberfolge sein müssen. Viel gravierender war aber, dass von den Schläfern in dieser Phase kein Aufbäumen zu bemerken war. Nun mussten die Schläfer eine Auszeit für sich beanspruchen. Leider brachte diese kurze Pause nichts. Im Gegenteil: der VfL Sindelfingen hatte nun die Führung an sich gerissen und konnte sich in kleinen Schritten von den Schläfern absetzen. Boscho war jetzt sogar so frustriert, dass er nach einer erfolglosen Korbaktion schimpfenden und klagend zurück lief. Da sich seine Beschwerden an den Schiedsrichter richteten, wurde er mit einem in diesem Fall hoch verdienten Technischen Foul bestraft. Die beiden fälligen Freiwürfe wurden durch die Sindelfinger gnadenlos verwandelt. Als in der neunten Spielminute des zweiten Viertels ein weiterer wilder Dreier des VfL sein Ziel fand, führten die Gäste sogar schon mit 48:40. Nun fühlten sich die Schläfer kurzfristig doch an der Ehre gepackt. Ein schneller 6:0-Lauf verkürzte den Rückstand zur Halbzeit auf 2 Punkte.

Die Halbzeitpause war aber trotzdem dringend notwendig, denn die Schläfer mussten jetzt erstmal wieder aufgebaut werden. Nach Angaben aus internen Kreisen soll es bei der Halbzeitansprache nichtmal laut gewesen sein. Dass dies kein Fehler war, bewiesen die Schläfer gleich zu Beginn des dritten Spielabschnitts. Voll fokussiert und wild entschlossen die Führung wieder zurückzuholen, gingen die Hausherren zu Werke. Drei schnelle Dreier (2x Fabian Herwig, 1x Daniel Krcmar) innerhalb von einer Minute reichten auch schon aus, um mit 4 Punkten in Führung zu gehen. Was jetzt folgte, war eine Demonstration an Einsatzwillen und Geduld. Immer wieder suchten die Schläfer den Weg zum Korb und agierten dabei weitestgehend nicht überhastet. Der nächste freie Mitspieler wurde stets gesucht und so waren die Spielzüge meistens nicht nur effektiv, sondern auch sehenswert. Es zeigte sich, dass die Schläfer auch ohne echte Spielsysteme ein gewisses Gespür für die zur Situation passenden Aktionen haben. Allein die zu diesem Zeitpunkt magere Freiwurfausbeute verhinderte, dass die Schläfer zur letzten Viertelpause nicht schon höher führten. Dieses Quarter entschieden die Gastgeber mit 33:18 aber ganz klar für sich. Kurz vor Ende des Viertels kam es aber noch zu einer seltsamen Situation. Ein Sindelfinger Spieler erhielt sein fünftes persönliches Foul und war damit für den weiteren Spielverlauf automatisch ausgeschlossen. Plötzlich bezichtigte er Gianni Greco des unfairen Verhaltens. Gianni hatte aber weder zu dieser Situation noch zu einer anderen Aktion etwas gesagt oder getan. Allen Schläfern war dieser kurze Auftritt ein echtes Rätsel. Jedoch sollte dies – zusammen mit einer blutigen Lippe für Boscho – glücklicherweise eher ein Nebenschauplatz bleiben.

Durch ein paar Auswechslungen stimmte zu Beginn des letzten Spielabschnitts die Zuordnung der Unistädter nicht. Dies hatte zur Folge, dass der VfL Sindelfingen den Rückstand wieder etwas verkürzen konnte. Bei den Schläfern brauchte es sogar bis zur dritten Spielminute bis Stilian Manevski endlich die ersten beiden Punkte für die eigenen Farben verbuchen konnte. Eine echte Gefahr bestand nun aber nicht mehr. Die Gäste schienen kräftemäßig nicht mehr mithalten zu können. Sollten die Schläfer tatsächlich fitter gewesen sein als ihre Kontrahenten? Es schien jedenfalls so. Aber auch bei den Schläfern gab es vereinzelte Aussetzer. So ließen sich sowohl Stoffel Kehrer und Daniel Krcmar von Sindelfingens Topscorer Vasquez-Pichardo vernaschen als er eine Passfinte über den Köpfen der beiden Schläfer ausführte. Wenige Augenblicke später setzte Stoffel sogar noch eins drauf als er einen vermeintlich leichten Korbleger voll gegen das Brett der Korbanlage knallte. Nichtsdestotrotz waren die Tübinger klar im Vorteil. Die Schläfer kamen  leichter zu Korberfolgen und näherten sich dadurch immer schneller der magischen 100-Punkte-Marke. Dies konnte dem VfL nicht gefallen und so musste nochmals eine Auszeit her. Die Schläfer einigten sich darauf, dass man diese Grenze knacken wolle. Immerhin waren beim Spielstand von 98:81 noch 1:47 Minuten zu spielen. Am Ende reichte es sogar noch. Die Ehre gebührte dem wieder glänzend aufgelegten Patrick „Matze“ Schaefer, der per Korbleger den gelungenen Tag vollendete. Der Endstand wurde bei 100:84 eingeloggt.

Eigentlich wollten die Schläfer nun nach dem Spiel noch die übliche Verabschiedung zusammen mit dem Kontrahenten durchführen. Doch scheinbar hatte sich bei den Gästen doch etwas mehr Frust angestaut als vermutet. Manche Schläfer wurden mit aggressiven Äußerungen zu einem „fünften Viertel“ vor der Uhlandhalle eingeladen. Diese zweifelhafte Ehre lehnten die Mannen des SV 03 aber dankend ab. Zwar gab es dann zwar noch ein paar hitzköpfige Diskussionen, aber letztlich konnte dann doch noch geschlichtet werden. Klar, das Spiel war sehr intensiv geführt und  dadurch, dass nur ein Schiedsrichter an der Partie teilnahm, wurde es nicht gerade „kuscheliger“ auf dem Spielfeld. Das war aber noch lange kein ausreichender Grund für solch ein turbulentes Ende. Da beide Teams in der Platzierungsrunde nochmals aufeinandertreffen werden, darf man gespannt sein, wie sich diese Paarungen entwickeln. Bevor sich die Wege dann endgültig trennten, einigte man sich aber beiderseits darauf, in den kommenden Begegnungen mit weniger negativen Emotionen anzutreten. Das wäre auch sehr wünschenswert.

Nachdem die Schläfer nun drei Spiele in Folge siegreich gestalten konnten, haben sie ein ausgeglichenes Punktekonto. 4 Niederlagen stehen 4 Erfolge gegenüber. Trotz der schwierigen Hauptrundenstaffel haben die Schläfer bis hierhin wacker geschlagen. Die Ziele waren sicherlich etwas höher gesteckt worden, aber gerade in den letzten drei Partien konnte man spüren, welcher Teamgeist noch in den Schläfern steckt. Und im Breitensport darf man auch über solche Eigenschaften stolz sein.

In der Platzierungsrunde treffen die Schläfer auf den VfL Herrenberg 2, den VfL Sindelfingen 2, den TSV Calw und den TV Derendingen 4. Der Spielplan wird in den kommenden Tagen erstellt und dann auch auf schwaben-basketball.de verfügbar sein. Bis dahin halten sich die Schläfer mit harten Trainingseinheiten fit 😉