Centerlose Schläfer gewinnen bei den Calw Lions

Schwere Basketballkost wurde den Zuschauern beim Auftaktspiel der Schläfer vom Neckar in der Kreisliga Platzierungsrunde Nord 1 beim TSV Calw geboten. In einem Spiel, in dem kaum Punkte zu bestaunen waren und nur die Emotionen und andere Umstände für Pepp sorgen konnten, waren spielerische Highlights eher Mangelware. Ein Grund dafür könnte das Fehlen der gesamten Center-Garde der Tübinger Basketballer gewesen sein. Diese Tatsache wurde aber durch eine konsequente Defense und einer sehr guten Teamchemie weitestgehend ausgemerzt. So schafften es die Schläfer trotz der kleinen Aufstellung mit einer tollen Mannschaftsleistung zwei Punkte aus Calw mitzubringen. Das Low-Score-Game endete mit 57:46 für die Jungs des SV 03 Tübingen 4.

Bei den Schläfer-Urgesteinen war man sich nicht sicher, aber keiner der langjährigen Schläfer konnte sich daran erinnern jemals gegen den TSV Calw angetreten zu sein. Auch die Geschichtsbücher konnten keine verlässliche Quelle dafür bieten. Deshalb muss man davon ausgehen, dass es bislang noch kein Aufeinandertreffen der Tübinger Basketballer mit dem TSV Calw gab. Und sollte es doch so sein, dann war es mindestens schon Ewigkeiten her. Die Schläfer vom Neckar mussten in diesem Auftaktspiel der Kreisliga Platzierungsrunde Nord 1 auf die gesamte Center-Garde verzichten. Schon allein aus diesem Grund war nur schwer vorherzusagen, welches Ergebnis die Unistädter aus der Hermann Hesse Geburtsstadt mitbringen werden. Fest eingeplant war dagegen schon der Besuch beim örtlichen Burgerproduzenten mit dem doppelten goldenen Bogen. Dies sollte dann aber erst nach dem Spiel ein Thema werden.

Durch die recht kleine Aufstellung war das Coaching-Duo Greco/Küper dazu gezwungen auf eine altbewährte Schläfer-Taktik zurückzugreifen: die Flügelzange. Mit Fabian Herwig und Daniel Krcmar standen auch gleich zwei Scharfschützen in der fünfköpfigen Startformation. Die beiden wurden durch Patrick „Matze“ Schaefer und Nils Gottfried auf den Centerpositionen und Gianni Greco im Spielaufbau ergänzt. Die sehr seltsame Stimmung in der Halle übertrug sich auch sofort auf das Spielfeld. Vor quasi nicht vorhandener Kulisse und einer sehr ruhigen Atmosphäre, die nur durch ein stetiges und seltsames Surren gestört wurde, agierten beide Teams nicht gerade glücklich. Während die Gastgeber mit sehr langsam vorgetragenen Angriffen erfolglos versuchten die Schläfer-Defensive zu knacken, waren die Spieler des SV 03 ohne Wurf-Fortune ausgestattet. Knallharte Folge: nach fast drei Minuten stand es noch 0:0. Haarsträubend! Aber immerhin gab es noch viel Zeit, um es besser zu machen. In der dritten Spielminute traf Fabian Herwig dann per Dreier und markierte damit die ersten Punkte der Partie. Aber auch danach tat sich nicht viel Positives. Nachdem die Anzeigetafel in der sechsten Minute ein zähes 6:6 aufzeigte, waren dann aber die Hausherren am Drücker. Ein kurzfristiger 7:1-Run sicherte ihnen eine kleine Führung, wobei die 7 Punkte nur zustande kamen, weil der Anschreibetisch einen erfolgreichen Bonusfreiwurf mit 2 Punkten honorierte. Dazu aber später mehr. Bis zur Viertelpause schafften es die Schläfer aber das Spiel zu drehen, um dann mit einer knappen 18:13 Führung die zweiminütige Verschnaufpause zu genießen.

Was gegen Ende des ersten Viertels ganz gut klappte, sollte dann im zweiten Quarter fortgesetzt werden. Die Schläfer hatten deshalb die Vorgabe, den Weg zum Korb zu suchen und ab und zu auch von jenseits der Dreierlinie für Gefahr zu sorgen. Zugegebenermaßen hat das nicht alles so perfekt funktioniert, wie man sich das vielleicht gewünscht hatte. Aber die sehr gute Verteidigung konnte die Schwächen im Abschluss effektiv ausmerzen. Die Schläfer vereitelten zahlreiche Angriffsbemühen des TSV Calw. Dies schien den alleine anwesenden Schiedsrichter so sehr zu beeindrucken, dass er das ein oder andere Mal über die in dieser Begegnung speziell interpretierten Schrittregeln des Calwer Teams hinwegsah. Die Tübinger Basketballer störten diese Umstände nur bedingt, denn sie nutzten die gute Verteidigungsleistung zu ihren eigenen Gunsten aus. Teilweise merkte man nichtmal, dass die Centerpositionen nicht mit den dafür ausgebildeten Kräften ausgestattet waren. Das Viertel konnte mit 16:7 als gewonnen verbucht werden. Die Schläfer führten zur Halbzeit mit 34:20. Die Führung konnte aufgrund des Spielverlaufs als komfortabel gewertet werden. Es sei noch angemerkt, dass die Einwechslung von Dr. Tsunami Küper in einen gewissen Zusammenhang mit dieser guten Phase gebracht werden kann.

In der Halbzeitpause wunderten sich die Unistädter dann aber sehr darüber, dass so manch Calwer Spieler weniger Fouls auf dem Spielberichtsbogen notiert bekommen hatte als es eigentlich den Tatsachen entsprochen haben müsste. Auch so mancher Schläfer hatte eine falsche Foulnotiz zuviel erhalten. Insgesamt war das schon recht zweifelhaft, wurde durch den Heimverein aber mit dem Fehlen einer ordentlichen Sehhilfe begründet. Ein ordnungsgemäßes Eintragen aller Daten sei deshalb nicht problemlos möglich gewesen. Okay … die Schläfer haben es akzeptiert (oder akzeptieren müssen).

Der Calwer Coach Hans-Georg Unkell, übrigens ein sehr freundlicher Zeitgenosse, schien in der Unterbrechung die richtigen Worte gefunden zu haben. Der TSV kam mit neuer Motivation und viel Elan aus der Umkleidekabine auf den Court zurück. Allerdings hatte das keine Auswirkung auf den Spielverlauf. Weiterhin war die Partie von nur sehr wenigen Highlights geprägt. Aber ehrlich gesagt, ist auch das Wort „Highlight“ zu schmeichelhaft für das, was die wenigen Zuschauer da mit ansehen mussten. Dieses Viertel kann deshalb ganz leicht zusammengefasst werden. Die gastgebende Mannschaft versuchte viel, schaffte wenig und die Gäste schafften ähnlich viel und waren ebenso bemüht. Das Ganze darf man sich dann noch mit einigen technischen Fehlern und gut gemeinten Wurfversuchen vorstellen und dann hat man ungefähr das vor Augen, was man eigentlich nicht unbedingt als Basketball wiedererkennen würde. Das Viertel ging mit 14:11 an die Gastgeber, die dadurch den Rückstand auf 11 Punkte verkürzen konnten.

Im letzten Viertel des ersten Spiels der Platzierungsrunde Nord 1 schlugen dann die Emotionen nochmals hoch. Der TSV Calw wollte sich verständlicherweise noch nicht geschlagen geben und wehrte sich mit vielen Mitteln gegen die drohende Niederlage. Da der SV 03 jedoch in entscheidenden Situationen immer die richtige Antwort wusste, verbreitete sich bei den Hausherren ein wenig die wohlbekannte Frustration. Kleinere Provokationen und auch schauspielerische Einlagen waren hier die Folge. Was den Calwern wohl noch nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass auch die Schläfer gegen solche Mittel ihre Geheimwaffen haben und sich dagegen wehren können. So reagierten beispielsweise die Backcourt-Spieler Fabian Herwig und Gianni Greco nicht auf die provokante Aufforderung („Komm schon! 1 gegen 1! Komm schon!“) ihres Gegenübers. Und auch Stoffel Kehrer, Daniel Krcmar und Matze Schaefer hatten probate Mittel gegen die etwas aufgeheizte Stimmung. Basketballerisch setzte dann Stilian Manveski (für seine Fans auch als Стилиан Маневски bekannt) in der Schlussphase die Akzente. 7 seiner insgesamt 10 Punkte verbuchte er in den letzten zehn Minuten des Spiels und setzte damit nicht nur seinen Schläfer-Saisonrekord in neue Sphären, sondern half damit maßgeblich dabei, dass die Unistädter die Begegnung problemlos nach Hause schaukeln konnten. Als dann die Schlusssirene beim Stand von 57:46 für die Schläfer ertönte, hatten sich ohnehin alle wieder lieb.

Außer einer zweiminütigen Phase im ersten Viertel hatten die Schläfer immer die Führung inne und konnten diese dann letztlich souverän und mit viel Erfahrung über die Runden retten. Auch wenn es sich um ein Spiel handelte, bei dem sich die Basketballexperten das Zungeschnalzen sehr gerne für andere Tage aufbewahren, darf man den mitgereisten Jungs des SV 03 Tübingen 4 ein Lob aussprechen. Aufgrund der fehlenden Center-Garde mussten alle für diesen Sieg kämpfen. Dies ist vor allem in der Defensive hervorragend gelungen. Alle Schläfer haben vollen Einsatz gezeigt und konnten damit als Team in diesem Spiel bestehen. Und eines kann man ebenfalls festhalten: es hat den beteiligten Schläfern Spaß bereitet als Team aufzutreten und zu gewinnen. Das ist in einer Platzierungsrunde als nicht zu unterschätzender Faktor anzusehen und ist sicherlich sehr viel wert.

Mit einem Sieg in diese Fortsetzungsrunde gehen zu können ist schön und macht Lust auf mehr. Am kommenden Samstag dürfen sich die Schläfer vom Neckar auf ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem VfL Sindelfingen 2 freuen. Vor knapp drei Wochen stand man sich das letzte Mal gegenüber. Damals war das Auseinandergehen nicht so freundlich verlaufen. An gleicher Stelle treffen sich beide Teams jetzt wieder. In der Tübinger Uhlandhalle findet der Hochball am 19.02.2011 bereits um 12 Uhr statt. Unterstützung sehen die Schläfer natürlich sehr gerne und würden sich deshalb sehr freuen, wenn der ein oder andere Zuschauer den Weg in die Uhlandhalle findet.