Die Anzeigetafel zeigte +48 für die Tübinger Basketballer

Es sollte der Showdown um die Meisterschaft der Kreisliga Platzierungsrunde Nord 1 werden. Der VfL Sindelfingen 2, härtester Verfolger der Schläfer vom Neckar, empfing den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer aus der Universitätsstadt. Beide Mannschaften konnten aber nicht in Bestbesetzung antreten, weshalb das Duell eigentlich noch mehr zu einer Wundertüte hätte werden können.

Letztlich muss man aber sagen, dass ein deutlicher und ausgesprochen verdienter 107:59 Sieg der Schläfer vom Neckar keinen Spielraum für Spannung vorsah. Die Basketballer aus der Neckarstadt schrieben ihr eigenes Drehbuch, das zwar ebenfalls für eine Menge Action sorgte, diesen Part aber eher mit Humor als mit Dramatik kombinierte. Neben einem deutlichen Erfolg sprang für die Schläfer vom Neckar damit zusätzlich auch der Meistertitel heraus. Die Freude war bei den Schläfer danach natürlich sehr groß.

Nachdem das letzte Heimspiel der Schläfer vom Neckar am vergangenen Wochenende aufgrund Spielermangels des TSV Calw ausgefallen ist, ging es nun wieder in gewohnter Weise weiter. Das Auswärtsspiel beim VfL Sindelfingen ist in den letzten Jahren ohnehin zum Standard geworden. Mindestens einmal pro Saison ist eine Reise nach Sindelfingen für den Tübinger Basketballclub vorgesehen. Dieses Mal ging es tatsächlich auch um etwas. Mit einem Sieg könnten sich die Schläfer vorzeitig die Krone in der Kreisliga Platzierungsrunde sichern. Der heißeste Verfolger heißt nämlich VfL Sindelfingen 2, der bisher erst eine Partie in dieser Trostrunde verloren hatte. Dies geschah im Hinspiel dieser Begegnung als sich die Tübinger Basketballer mit 80:64 durchsetzen konnten. Ab diesem Zeitpunkt gab es für beide Teams nur noch Siege. Dadurch hat sich  dieses Spiel zur Vorentscheidung entwickelt. Der SV 03 Tübingen hatte zwar ein paar personelle Engpässe, die aber mit einem kurzfristigen Neuzugang aus den USA bedeutend ausgemerzt werden konnten. Bradley Endecott hatte sich für ein Probetraining beworben und konnte die Schläfer gleich überzeugen. Neben Brad fanden sich auch Patrick „Matze“ Schaefer, Fabian Herwig, Ilias El Aita, Stefan Kehrer, Gianni Greco und Alessandro Pricci in der Eschenriedhalle zu Sindelfingen für diese Top-Begegnung ein.

Schon zu Beginn der Partie war es den Schläfern anzumerken, dass sie heute nicht zum Spaß nach Sindelfingen gekommen waren. Zielgerichtet versuchten sie ihre Angriffe zum Erfolg zu bringen. In den ersten beiden Minuten führten sie zwar, aber die Treffsicherheit war noch nicht so gegeben, wie es sich die Gäste eigentlich gewünscht hätten. So schafften es die Sindelfinger sich schnell wieder in die Partie zurückzubringen. In der vierten Spielminute führten sie knapp mit 8:7. Doch dann waren die Schläfer erstmal nicht mehr zu bremsen. Einige freie Würfe, die schön herausgespielt wurden, fanden zuverlässig ihr Ziel. Vor allem Fabi Herwig hatte hier wieder zu alter Stärke gefunden und verwandelte mit traumwandlerischer Quote seine Wurfchancen. 17 Punkte bei fünf erfolgreichen Dreiern gingen allein auf sein Konto. Das war eine wahrlich starke Vorstellung, die den Schläfern den Weg zum Sieg ebnen sollte. Noch waren aber drei Viertel zu spielen. Zum Viertelende lagen die Schläfer bereits mit 29:18 in Front.

Nach der Viertelpause machten die Schläfer dann aber endgültig ernst. Regelmäßig fanden sie einen geeigneten Weg zum Korb und kombinierten dies dann mit herausgespielten freien Würfen, die ebenfalls ihr Ziel fanden. Auch wenn sich punktemäßig nun Matze Schaefer (14 Punkte im zweiten Viertel) in den Vordergrund spielte, muss man hier von einer starken Teamleistung sprechen. Der Ball lief sehr gut in den eigenen Reihen und in der Defensive gab man dem VfL Sindelfingen nur sehr wenige einfache Korbgelegenheiten. Sehr kompakt erkämpften sie sich in der Verteidigung die freien Bälle und agierten auch beim Rebound sehr souverän. Die darauf folgenden Angriffe wurden dann in den meisten Fällen nicht überhastet nach vorne getragen, sondern es wurde sehr darauf geachtet, dass die Offensive zu jeder Situation passend ausgearbeitet wurde. Auch wenn diese Situation für den VfL Sindelfingen frustrierend sein musste, verhielten sie sich fair und eher zurückhaltend. Zur Halbzeit war der Vorsprung der Schläfer bereits auf ein 54:29 angewachsen.

Den Sindelfingern war das Fehlen von Niko Ntoussis, der durch eine Disqualifikation nicht am Spiel teilnehmen durfte, deutlich anzumerken. Auch die Kreise von Sindelfingens Topscorer Vasquez-Pichardo konnten bis hierhin deutlich eingeschränkt werden. Wer aber dachte, dass die Schläfer nun einen Gang zurückschalten würden, hatte sich getäuscht. Weiterhin traten sie mit sehr hoher Motivation auf dem Spielfeld auf. Man wurde das Gefühl nicht los als sei es für die Mitglieder des Teams eine regelrechte Genugtuung dieses Spiel möglichst klar für sich zu entscheiden. Jetzt gestaltete sich die Begegnung zu einer sehr einseitigen Geschichte. Nicht nur, dass dem VfL Sindelfingen nichts mehr gelingen mochte, zusätzlich dazu hatten sie sich auch schon aufgegeben. Für die Schläfer war das Grund genug fleißig die Spieler auszuwechseln und jedem Mitgereisten seine Spielanteile zu bieten. Dadurch wurde der Spielfluss im Gegensatz zu vergangenen Spielen aber keineswegs gestört. Vielmehr war nun festzustellen, dass sich die Punkteverteilung etwas relativierte und nun auch Neuzugang Brad Endecott oder auch Alessandro Pricci zu Korberfolgen kamen. Das dritte Viertel ging mit 24:6 deutlich an die Schläfer vom Neckar. Der Spielstand nach 30 Spielminuten las sich für die Gäste natürlich sehr positiv. Es stand  78:35. Spätestens jetzt war die Messe gelesen.

Durch den nun sehr deutlichen Vorsprung ließen die Schläfer die Zügel nun wieder etwas lockerer. Das machte die Spielgeschehen für die Gastgeber aber nur geringfügig angenehmer. In der Defense ließen die Gäste aus der Neckarstadt nämlich keine einfachen Punkte zu. Hier blieb die Intensität immernoch auf einem sehr hohen Level. Das wurde auch ein wenig durch das Verhalten der Sindelfinger provoziert, die nun doch wieder etwas ruppiger (aber nicht überhart!) agierten. Die Schläfer fühlten sich in der Verteidigung von diesem Verhalten angestachelt und ließen auch nach wie vor nicht viel zu. Auch wenn in der Offensive nun nicht mehr alles klappen wollte, hatten die Unistädter noch ein Ziel: 100 Punkte erreichen. Dieses Ziel war zwar sehr ambitioniert jedoch nicht unmöglich. Mit großen Schritten näherten sie sich dann auch nach und nach diesem Ziel. In der achten Spielminute war es dann soweit. Fabi Herwig, der einen echten Sahnetag erwischte, verwandelte zwei Freiwürfe sicher und durchbrach damit für die Schläfer mühelos diese magische Grenze. Danach folgten sogar weitere sieben Punkte für die Schläfer. Darunter war auch ein Dreier von Routinier Stoffel Kehrer und ein Korb des ebenfalls heute starken Neuzugangs Ilias El Aita. Ganz zum Schluss wollte Matze Schaefer wohl noch einmal auffallen, da er sich den Posten des Topscorers (28 Punkte!) mit Fabi Herwig teilen musste. Er ließ sich mit einem technischen Foul vom Feld bitten. Da er nach einer Korbaktion meinte unsachgemäß des Balles beraubt worden zu sein, beschwerte er sich beim souverän agierenden Schiedsrichtergespann. Die Folge ist bekannt: technisches Foul, gleichzeitig fünftes persönliches Foul und damit ein Platz auf der Auswechselbank. Ohne Wiederkehr natürlich. Diese zwei Minuten Aufmerksamkeit seien ihm aber nach einer so tollen Leistung gegönnt. Am Ergebnis änderte dies aber rein gar nichts. Am Ende siegten die Schläfer mit sehr deutlich mit 107:59.

Mit diesem eindeutigen Erfolg sicherten sich die Tübinger Basketballer den Meistertitel der Platzierungsrunde. Im Grunde ist dies kein sonderlich erstrebenswerter Triumph, aber die Art und Weise wie dieser Titel errungen wurde, ist schon aller Ehren wert. Wie in dieser Begegnung auch, mussten die Schläfer in fast jedem Spiel auf Leistungsträger verzichten. Kein Problem, wie sich mit der Zeit aber herausstellen sollte. Der beeindruckende Sieg beim hartnäckigsten Verfolger aus Sindelfingen ist deshalb die logische Konsequenz aus Teamwork, Spaß am Sport und einem tollen Zusammenhalt. Aus diesem Grund geht ein besonderes Lob an das gesamte Team, bei dem jeder seinen Beitrag zu diesem Erfolg geleistet hat.

Auch wenn es nun offensichtlich kein Ziel mehr in dieser Saison geben sollte, haben die Schläfer vom Neckar noch ein weiteres Saisonspiel vor sich. Zum Ausklang der aktuellen Spielrunde bestreiten die Schläfer ein Auswärtsspiel beim VfL Herrenberg 2. Spielbeginn ist am 16.04.2011 um 16 Uhr. Austragungsort ist die allseits bekannte Herrenberger Kreissporthalle. Und selbstverständlich haben die Schläfer noch etwas, das sie erreichen können. Dazu gehört zum Beispiel, dass man in der Platzierungsrunde ungeschlagen bleibt oder auch dass der elfte Sieg in Folge gefeiert werden kann. Über Zuschauer, die die Tübinger Basketballer beim Saisonfinale anfeuern, würden sich die Unistädter wirklich sehr freuen. Auf nach Herrenberg!