Die Leiden der jungen Schläfer

Ja, der Titel dieser Newsmeldung scheint etwas unangemessen, wenn man sich das Durchschnittsalter der Schläfer vom Neckar genauer betrachtet. Mit einem Schnitt, der knapp unter  30 Jahren angesiedelt ist, zählen die Tübinger Basketballer sicherlich nicht zu den Jungspunden der Kreisliga. Wenn man aber bedenkt, dass sich das Gesicht der Schläfer in den letzten Jahren recht stark verändert hat und in dieser Saison noch einen weiteren Sprung in Richtung Umbruch gemacht hat, dann kann man unter diesen Gesichtspunkten von einer jungen Mannschaft sprechen. Noch greifen die Fähigkeiten der einzelnen Akteure nicht so konstant, dass das sonst so bekannte Räderwerk der Schläfer reibungslos laufen kann. So verloren die Schläfer vom Neckar beim Bezirksliga-Absteiger VfL Herrenberg knapp mit 54:58. Dabei dauerte es relativ lange, dass sie in diesem Spiel ein probates Mittel für einen Erfolg in Herrenberg fanden. Als dieses Mittel dann gefunden war, geriet wieder Sand ins Getriebe und am Ende reichte das Öl nicht mehr aus, um die Mechanik ausreichend  am Laufen zu halten.

Der Saisonauftakt ging bekanntlich leider mit einer Niederlage für die Schläfer vom Neckar los. In der zweiten Begegnung der noch jungen Saison 2011/2012 mussten die Tübinger Basketballer dann auch gleich zum Bezirksliga-Absteiger aus Herrenberg reisen, der in seinem ersten Spiel den alten Recken vom SV Böblingen keine Chance gelassen hatte. Die Schläfer waren demnach bereits gewarnt und kamen hochmotiviert bei den Hurricanes an. Mit im Gepäck der Unistädter befand sich Neuzugang Martin Leibßle, der zwar schon im Testspiel bei der Spvgg Mössingen zum Einsatz kam, aber erst am Spieltag in Herrenberg seinen Vertrag unterzeichnete, worüber sich das Schläfer-Management nach langen Verhandlungen besonders freute. Neben Martin Leibßle, der auf den großen Positionen zuhause ist, waren gleich neun weitere Schläfer mitgereist. Alle Positionen waren gut besetzt.

Der 8-Mann-Kader des VfL Herrenberg versuchte sich von Beginn an, an einer 2-1-2 Zonenverteidigung. Die Schläfer hatte man nämlich bei ihrem Heimauftritt gegen den TV Derendingen gescoutet und hatte diese Verteidigungsform als Schwachpunkt ausgemacht. Am Anfang funktionierte diese Taktik auch, wobei es weniger an der Verteidigung selbst, sondern eher an der vorherrschenden Nervosität beider Teams festzumachen war, dass kaum Punkte zu bestaunen waren. Die Kulisse in der Herrenberger Kreissporthalle war dennoch ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass Kreisliga-Basketball eigentlich kaum Zuschauer in die Hallen lockt. Besonders angespornt fühlte sich Patrick „Matze“ Schaefer, der an diesem Tag sogar zwei seiner ehemaligen Teams begrüßen durfte. Der Ex-Hurricane und Ex-Dusslinger spielte quasi gegen sein altes Team und vor den Augen der inzwischen als Spvgg Mössingen startenden Dusslinger Teamkollegen. Für die Schläfer wollte er deshalb eine ganz besonders gute Leistung in diesem Spiel zeigen. 9 von 12 Punkten der Schläfer gelangen ihm dabei sogar gleich auf Anhieb. Das Besondere: sogar ein Dreier war dabei. Doch auch die Defense der Schläfer funktionierte recht gut und so blieb das erste Viertel mit einem Spielstand von 12:14 aus Sicht der Schläfer einigermaßen ausgeglichen.

Im zweiten Viertel verloren die Tübinger aber erstmal den Faden. Der VfL fand nun immer wieder den Weg zum Korb und konnte dabei die vermeintlich einfachen Punkte verwandeln. Glücklicherweise konnte dieser kleine Run aber auch wieder schnell durch die Hereinnahme von Nicholai Wilson und die aggressivere Verteidigung der Schläfer gestoppt werden. Der große Brite stellte eine schier unüberwindbare Hürde dar, die allerdings auch erstmal erreicht werden musste. Zuvor wurden die Penetrationsversuche der Hurricanes schon durch knallharte Manndeckung in Schach gehalten. Jedoch wollte es in der Offensive bei den Neckarstädtern nicht so recht klappen. Insgesamt zwei Dreier von Daniel Krcmar und Stilian Manveski sowie zwei Feldkörbe und zwei Freiwurfpunkte waren die recht magere Ausbeute des Angriffs. Immerhin machte man es den Gastgebern aus dem Landkreis Böblingen auch nicht einfach und so wuchs der Vorsprung des VfL Herrenberg nur um einen Punkt auf 27:24.

Noch war also alles drin in der Begegnung. Zwar wünschte man sich insgeheim schon etwas gefestigter zu sein, aber noch befinden sich die relativ neu formierten Schläfer in der Findungsphase. Deshalb durfte man mit der bisherigen Leistung auch recht zufrieden sein. Nach der Halbzeitpause fanden die Schläfer dann auch gleich besser ins Spiel. Innerhalb von einer Minute war der Rückstand wettgemacht und in eine 30:27 Führung umgewandelt. Die Hurricanes schlugen zwar nochmal zurück und konnten ihrerseits in der fünften Spielminute des dritten Spielabschnittes mit 37:33 in Führung gehen. Doch plötzlich hatten die Gäste aus der Unistadt die richtigen Hebel gefunden, um die 2-1-2 Zone des VfL überwinden zu können. Stand es in der siebten Spielminute noch 40:40, lagen die Schläfer zum Ende des Viertels mit 48:40 in Front. Vorangegangen waren einige schnelle und gut ausgespielte Angriffssituationen. Auf einmal lief es. Neben Matze Schaefer, Stilian Manveski und Daniel Krcmar konnte sich zwar nur Martin Leibßle noch in die Scorerliste eintragen, aber die Punkte wurden gemeinsam als Team erarbeitet.

Nachdem das Zusammenspiel der Schläfer nun auf einem Höhepunkt angekommen war, stellte der VfL Herrenberg die Verteidigungsformation um. Und wie sich herausstellen sollte, war das ein riesiges Problem für die Tübinger Basketballer. Die Gäste hatten sich voll auf die 2-1-2 Zone eingespielt und sahen sich nun ihrer Sicherheit beraubt. Die Vorsprung schrumpfte zwar nicht schnell, dafür aber beständig. Steter Tropfen höhlt den Stein … und in diesem Fall die Schläfer vom Neckar. Die Defense stand zwar noch einigermaßen, aber in der Offensive klappte nun rein gar nichts mehr. Angriffe wurden überhastet abgeschlossen oder die falschen Entscheidungen wurden getroffen, war in den meisten Fällen zu Fehlwürfen oder Ballverlusten führte. Ganze acht Minuten blieben die Schläfer ohne einen einzigen Punkt. Zu allem Überfluss verabschiedete sich Matze Schaefer, bis dahin fleißigster Punktesammler des SVT, bereits sieben Minuten vor Spielende mit seinem fünften Foul auf die Bank. Ihm folgte dann auch noch Nicholai Wilson (Anmerkung der Redaktion: nach dem Spiel stellte sich heraus, dass Nicholai erst vier persönliche Fouls hatte). Leider erholten sich die Schläfer von der langen Durstphase nicht mehr wieder. Ein kurzes Aufbäumen zum Schluss verhalf noch dazu, dass der Spielstand auf 54:58 reduziert werden konnte, am Ende war dies aber auch der Endstand der Partie. Natürlich aus Sicht der Schläfer.

Nach einem tollen dritten Viertel folgte also ein katastrophales Schluss-Quarter. Die Schläfer hatten es dieses Mal wirklich selbst in der Hand und haben leider in der Endphase die Übersicht verloren. In manchen Situationen wirkte es sogar fast ein wenig hilflos. 6 Punkte im letzten Viertel sind einfach zu wenig. Insgesamt merkte man, dass noch etwas Sand im Getriebe der Schläfer steckt. Eine konstante Leistung über 40 Minuten ist man in der Kreisliga zwar ohnehin nicht gewohnt, aber die gute Phase im dritten Spielabschnitt hätten die Tübinger Basketballer dann doch für sich nutzen müssen. Da wankte der Gastgeber noch, dann zeigten sie sich aber als das cleverere Team und sicherten sich dadurch verdientermaßen die zwei Punkte für die Tabelle. Nach dem Spiel nahm sich Coach Gianni Greco aber selbst in die Pflicht: „Ich möchte den Jungs keinen Vorwurf machen. Sie haben bis zum Ende gekämpft und alles in unserer Macht stehende versucht. Hier muss ich als Coach noch für die richtige Ordnung sowie auch variantenreiche Abwechslung sorgen.“

Nun haben die Schläfer vom Neckar erstmal zwei Wochen Pause bevor es dann zum nächsten Auswärtsspiel nach Holzgerlingen geht. Die Spvgg Holzgerlingen 2, Platzierungsrundenmeister der Saison 2010/2011, empfängt die Schläfer-Akteure am 22.10.2011 um 15.30 Uhr in der Berken-Schulsporthalle. Dass die SVler bis dahin noch enger zueinander gefunden haben, sollten sie in dieser Partie unbedingt beweisen, denn inzwischen stehen die Schläfer schon etwas mit dem Rücken zur Wand. Noch ist aber alles möglich und deshalb werden sie sich auf jeden Fall ins Zeug legen. Mitreisen wird sich bestimmt lohnen, weshalb sich die Schläfer sehr über entsprechende Unterstützung freuen würden.