39 Minuten und 58 Sekunden pfui, 2 Sekunden hui!

Das Jahr 2011 konnte noch mit einem Sieg in eigener Halle beendet werden. Dann folgte aufgrund der Weihnachts- und Neujahrspause ein langer Zeitraum von 5 Wochen ohne Basketball. Diese Pause war am 14.01.2012 mit dem Heimspiel gegen den SV Holzgerlingen 2 beendet. Doch scheinbar hatten die Schläfer vom Neckar noch nicht mitbekommen, dass das Ende einer Spielpause auch gleichbedeutend mit dem Start der Spielphase ist. Jedenfalls zeigten die Schläfer, weshalb sie Schläfer heißen. Geschönt gesagt, zeigten sie einen ganz schrecklichen Basketball. Das Wort Sport sollte in diesem Zusammenhang nur vorsichtig gebraucht werden. So kam es, dass die Tübinger Basketballer zwar 39 Minuten und 58 Sekunden furchtbar unattraktiven Basketball zeigten, dann das Spiel aber in den letzten zwei Sekunden mit einem Paukenschlag beendeten. Es gelang ihnen mit diesem ansehnlichen Finish ein knapper 61:59 Erfolg, der glücklicherweise ebenfalls 2 Wertungspunkte für die Tabelle wert ist.

Seit dem letzten Spiel der Schläfer vom Neckar sind, bedingt durch die Weihnachts- und Neujahrspause, fünf Wochen vergangen. Eine lange Pause, wenn man bedenkt, dass die Schläfer seit dem Saisonauftakt im Oktober in den Monaten November und Dezember insgesamt nur 3 Spiele bestritten haben. Das letzte Spiel war ein Heimspiel gegen den VfL Sindelfingen 2, den man nur mit viel Mühe besiegen konnte. Der unregelmäßige Spielplan sollte für die Tübinger Basketballer aber kein Grund zur Ausrede sein, weshalb sie sich im ersten Spiel im Jahr 2012 auch lieber von der Schokoladenseite präsentieren wollten. Auch Edel-Fan Siggi Hüttinger war im ersten Spiel des neuen Jahres wieder zugegen. Dieses Mal auch unterstützt von Ur-Schläfer Jens Melchert und dem im Jägerkostüm und Gummistiefel angereisten Dr. Tsunami Küper. Der Gegner an diesem Samstagnachmittag, den 14.01.2012, war der SV Holzgerlingen 2. Eine eigentlich machbare Aufgabe für die Schläfer. Vor allem auch, weil Coach Gianni Greco ganze 12 Spieler zur Verfügung standen und die Gäste aus dem Landkreis Böblingen nur mit einer Rumpftruppe von 6 Mann aufliefen. Die Gastgeber konnten also aus den vollen schöpfen und hatten auch vor einen schnellen Basketball zu spielen.

Die Starting Five um Brad Endecott, Patrick „Matze“ Schaefer, Martin Leibßle, Daniel Krcmar und Gianni Greco fand aber zunächst gar nicht in die Gänge. Eine sehr zerfahrene Anfangsphase führte zu einigen Ballverlusten und Fehlwürfen. Dies galt für beide Seiten gleichermaßen. Erst in der zweiten Spielminute brach Brad den Bann und markierte die ersten beiden Punkte der Partie und für seine Farben. Das erste Viertel war kurz gesagt sehr karg. Alle anwesenden Zuschauer wissen nun genau, wovon die Rede ist. Und da es unfair ist diejenigen zu quälen, die das Ganze schon vor Ort freiwillig durchgemacht haben, soll hier der Hinweis erfolgen, dass die nächsten Abschnitte übersprungen werden können. Erst ab der roten Markierung sollte dann wieder weiter gelesen werden. All diejenigen, die sich trotzdem durchkämpfen wollen: Vielen Dank für die Treue! Jedenfalls endete das karge erste Viertel mit einem Spielstand von 12:7 für die Gastgeber. Es schien also trotz einer haarsträubenden Offense noch Vieles für die Schläfer zu sprechen.

In der Viertelpause ermahnte Coach Gianni seine Mannen mindestens einen Gang hochzuschalten, um möglichst früh die Fronten zu klären. Schließlich hatte ja jeder die Gelegenheit sich voll zu verausgaben, da es reichlich Spieler gab, die dann hätten einspringen können. Und zunächst musste man sich die Augen reiben, denn die Schläfer hatten nun wirklich das Kommando übernommen. Nach 16 Spielminuten führten sie mit 22:11. Ja, es sah doch schon deutlich angenehmer aus. Pustekuchen! Nach einer Auszeit des SV Holzgerlingen kämpften sich die Gäste wieder Punkt um Punkt heran. Zur Halbzeitpause war die Holzgerlinger Landesliga-Reserve wieder auf einen Punkt herangekommen. Fast wäre Ihnen sogar die Führung gelungen, aber der Buzzer Beater von Holzgerlingens an diesem Tag besten Spieler Dirk Linsemayr verfehlte knapp sein Ziel. Die Schläfer führten zwar, dies aber nur knapp mit 26:25.

Will man etwas Positives aus der ersten Halbzeit finden, dann könnte man festhalten, dass die Verteidigung nur 25 Punkte zugelassen hatte. Aber dieses Resümee wäre sehr schmeichelhaft ausgedrückt. In der Halbzeit unkten schon die ersten Zuschauer, dass die Schläfer mit dieser Leistung einen neuen spielerischen Tiefstand erreicht hätten. Aus Fairness den 12 beteiligten Schläfer-Jungs gegenüber sei eingestanden, dass es auch in der Vergangenheit schon sehr schlechte Performances gegeben hat. Leugnen konnte man aber nicht, dass es bislang die schlechteste Saisonleistung der Gastgeber war. Wollten sie es nun besser machen? Ja, definitiv. Gelang es ihnen? Nein, nicht wirklich. Es begann nun ein offener Schlagabtausch und die Schläfer machten dabei eher den Eindruck eines angeschlagenen Schwergewichtsboxers. Engagement war zwar da, aber irgendwie fehlte die Kondition für intelligente Aktionen. Okay, es blieb spannend, aber das war auch schon alles. Inzwischen hatten die Gäste die Führung übernommen. Die Schläfer lagen nach dem dritten Viertel mit 42:43 im Hintertreffen.

Das letzte Viertel brach nun an und der Headcoach der Tübinger Basketballer zeigte sich sehr wütend aufgrund der teilweise sehr lethargischen Spielweise der Schläfer. Er verlangte, dass noch mehr Feuer und Engagement gezeigt werden solle. Sein Wunsch wurde erhört. Das Engagement hatte sich nun erhöhen lassen. Leider war dies aber nicht zwangsläufig mit erfolgreichem Basketball verbunden. Die Verteidigung zeigte sich bissig, erkämpfte sich den ein oder anderen Ball und Abpraller nur um dann den Ball doch wieder unglücklich zu verlieren, ins Aus zu befördern und dem Gegner in die Hand zu tippen. Es kam also das Pech hinzu als wollte jemand oder etwas die Schläfer für die ersten drei Viertel bestrafen. Es war zum Haare raufen. Zwar gelang es zwischenzeitlich mal auf 4 Punkte zu entkommen, aber dann fand der SV Holzgerlingen nach einer Auszeit wieder zurück ins Spiel. Sie leckten Blut, sahen ihre Chance auf einen Sieg und glaubten auch so langsam daran, dass sie es schaffen könnten.

In der neunten Spielminute des letzten Viertels erzielten die Schläfer per Freiwurf den 55:55 Ausgleich. Die soganannte Crunch Time war nun im vollen Gange. Ein erfolgreicher Freiwurf der Gäste vergrößerte die Hoffnungen auf einen Überraschungscoup. Und als dann noch ein weiterer Korb für zwei Punkte folgte, führten die Gäste sogar mit 58:55. Es war nur noch weniger als eine Minute zu spielen als Brad Endecott gefoult wurde und für zwei Freiwürfe an die Linie musste. Der erste ging rein, der zweite leider daneben. Doch ein wichtiger Rebound der Schläfer sorgte für eine weitere Chance, den Zwei-Punkt-Rückstand wieder zu egalisieren. Nun wurde Stefan Kehrer, manchen auch als Stoffel Borg bekannt, gefoult und auch er musste für zwei Freiwürfe an die Freiwurflinie. Eiskalt verwandelte er dann beide Wurfchancen und der Spielstand war wieder ausgeglichen. War da doch noch etwas drin für die Hausherren? Noch 15 Sekunden waren nun zu spielen und die Holzgerlinger Mannschaft war im Ballbesitz. Die Uhr tickte runter und als kaum noch eine echte Chance auf einen Korberfolg vorhanden war, folgte das Foul. Die Uhr stoppte bei zwei Sekunden verbleibender Spielzeit und durch das Foul wurden ordnungsgemäß 2 Freiwürfe als Strafmaß verhängt. Die Gäste besprachen sich kurz und nahmen sich als Ziel beide Freiwürfe ohne Taktik zu verwandeln. Der erste ging daneben, der zweite Freiwurf passte astrein durch die Reuse.  Nun nahmen die Schläfer eine Auszeit, um einen Einwurf an der Mittellinie zu erhalten und das 1-Punkt-Defizit wieder wett zu machen.

Die folgende Diskussion in der Auszeit ist fast schon legendär. Nils Gottfried hatte inzwischen das Coaching übernommen und begrüßte seine Mitspieler mit den Worten: „Wer traut es sich einen Dreier zu nehmen?“ Der eben noch kaltschnäuzige Stoffel streckte seinen Arm tapfer in die Luft, doch auch Gianni erwiderte: „Ich traue mich immer“. Nils entschied, dass Gianni den Wurf nehmen dürfe. „Da wir keine Systeme haben und keine Blöcke stellen können, soll Gianni sich einfach freilaufen und bekommt dann den Pass“, so die Worte von Nils. Stoffel bekam vom Schiedsrichter den Ball an der Mittellinie übergeben. Es verstrichen die ersten Sekunden und zunächst schien es so, als traue er sich nicht, den Ball zu Gianni zu passen. Doch ein gekonnter Block von Jörg Gronbach verschaffte Gianni einen kleinen Freiraum und nach einer kurzen Finte passte Stoffel auch zu Gianni. Dieser nahm den Ball an, dreht sich etwas und ließ den Ball mit seiner ungewöhnlichen Rotation los. Die letzten zwei Sekunden verstrichen auch dank der tollen Kulisse in Zeitlupe, der Ball flog, die Sirene ertönte, Swish, drin, Sieg! Ein riesiger Jubel entbrannte unter den Schläfern und es bildete sich vor den Augen der inzwischen recht zahlreichen Zuschauern eine Traube aus jubelnden Schläfern. Die Schläfer hatten es doch tatsächlich noch geschafft, das Spiel zu drehen. Endstand: 61:59.

Wer ehrlich ist, der muss zugeben, dass der Sieg nicht verdient war. Die Gäste waren aber faire Sportsmänner und gratulierten den siegreichen Tübingern. Es ist nun mal so, dass nicht immer diejenigen gewinnen, die es mehr verdient hätten. Besonders im Basketball geschehen immer wieder verrückte Dinge. Nach einer wahrlich abscheulichen Leistung hatte es einen Paukenschlag zum Sieg benötigt. Vielleicht ist das auch als kleine Wiedergutmachung für die vorherigen 39 Minuten und 58 Sekunden zu verstehen. Die 2 Wertungspunkte nahmen die an diesem Tag glücklicheren Schläfer dann auch gerne entgegen. Mit einer Niederlage wären sie wohl aus dem Rennen um die beiden Aufstiegsrundenplätze ausgeschieden gewesen. So geht es nun doch noch von Spiel zu Spiel weiter.

War es das wahre Gesicht der Schläfer, war es nur eine miserable Leistung oder war es als Warnung zu verstehen, dass kein Gegner unterschätzt werden sollte? Man weiß es nicht. Fakt ist, dass die Schläfer vom Neckar wirklich schlecht waren. Fakt ist aber auch, dass man nicht immer alles auf die Goldwaage legen sollte. Alle sind sich der schwachen Performance bewusst, jetzt gilt es von Spiel zu Spiel zu denken und jedes Mal das Maximum zu versuchen. Und zwar als Team. Die nächste Chance dazu gibt es schon am kommenden Sonntag, den 22.01.2012, wenn die Schläfer vom Neckar im Derby-Rückspiel auf den Tabellenführer treffen. Der SV Weilheim wird um 15 Uhr in der Tübinger Uhlandhalle erwartet. Die Schläfer hoffen natürlich auf reichlich Unterstützung! Danke für den bisherigen Support! Bitte weiter so!