Derby-Revanche! Zuhause klappt es noch!

Das Hinspiel ging noch ganz eindeutig an den SV Weilheim, den aktuellen Tabellenführer der Kreisliga Nord 2. Doch im Rückspiel wollten die Schläfer vom Neckar unbedingt beweisen, dass sie es noch können. Nein, es geht nicht darum, dass sie noch Basketball spielen können. Das stand nicht zur Debatte. Vielmehr ging es darum, endlich mal wieder einen Sieg gegen die Gäste aus der Tübinger Vorstadt einzufahren. Außerdem mussten sie diejenigen Fans belohnen, die trotz des größtenteils seelisch quälenden letzten Heimspiels den Weg in die Tübinger Uhlandhalle fanden. Beide Aufgabenstellungen konnten die Schläfer vom Neckar mit Bravour bewältigen.

In einem spannendem und packendem Derby setzten sich die Schläfer letztlich verdient und relativ eindeutig durch. Damit konnten sie den nächsten Schritt in Richtung Qualifikationsturnier zur Bezirksliga-Aufstiegsrunde machen. Für Platz 1 wird es nach dem verlorenen direkten Vergleich gegen Weilheim wohl nicht mehr klappen, aber den zweiten Tabellenplatz haben die Schläfer fest im Visier.

Zwar mit einem Sieg in das Jahr 2012 gestartet, aber nicht gerade eine Glanzleistung gezeigt. Das wurmte die Schläfer vom Neckar vor dem Derby-Rückspiel gegen den SV Weilheim. Deshalb versammelten sie sich vor dem Spiel in der Kabine. Ein Bild mit Seltenheitswert, aber es war notwendig. Im Team der Schläfer steckt sehr viel Potenzial, das in der laufenden Saison aber noch nicht konstant abgerufen wurde. Eine motivierte Mannschaft von 12 Schläfern begab sich dann nach diesem Treffen zum Warm-Up. Der SV Weilheim konnte den Tübinger Basketballern im Hinspiel eine schmerzhafte Niederlage zufügen. Seither haben sie aber nicht mehr ins Spielgeschehen der Kreisliga Nord 2 eingegriffen. Somit war das Derby-Rückspiel auch gleichzeitig ein Back-to-Back Aufeinandertreffen. Ob die lange Pause ein Nachteil war, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen. Dafür war aber klar, dass Aufbau Cornelius Fischer, im Hinspiel noch mit 20 Punkten erfolgreichster Werfer der Weilheimer, dieses Mal fehlen wird. Trotzdem waren sich die Schläfer um die Gefahr des SV Weilheim bewusst. In dieser Saison zeigen sie nicht nur einen engagierten, sondern auch erfolgreichen Basketball.

Coach Gianni Greco hatte für die Starting Five eine Überraschung parat. Zum ersten Mal in dieser Saison benannte er sich nicht selbst zum startenden Aufbauspieler. Mit Daniel Krcmar auf der Aufbau-Position, Stefan Kehrer und Patrick Schaefer auf den Flügeln, sowie Jörg Gronbach und Martin Leibssle im Frontcourt ging eine schnelle und aggressive Startformation ins Rennen. Zunächst taten sich die fünf aber noch recht schwer gegen die flinken Weilheimer. Vor allem nach Fehlwürfen und Ballverlusten dauerte es einen Tick zu lange bis die Schläfer auf die Defensive umschalteten. Somit hatte der SV Weilheim in den ersten fünf Spielminuten leichte Oberhand. Doch dann entdeckten die Schläfer die Schwachstelle der Weilheimer Verteidigung. Mit gezielten Angriffen brachten sie die Gäste in die Bredouille. Nach und nach setzten sich die Schläfer in den Folgeminuten leicht ab, um dann in der letzten Spielminute des ersten Viertels ein kleines Feuerwerk abzubrennen. Durch einen 10:0 Lauf führten die Hausherren zur Viertelpause mit 28:17.

Das ließ sich doch schonmal ganz gut an. Und auch die Zuschauer mussten sich die Augen reiben, weil sie nicht mit einer solchen Konsequenz der Schläfer gerechnet hatten. Selbst der verrückteste Fan der Walter Tigers Tübingen Wolfgang Hermann, der vor dem Spiel mit seinen berühmten rotfarbenen Lettern „Let’s go Weilheim“ schrieb und damit in der altehrwürdigen Uhlandhalle für Aufsehen sorgte, musste zugeben, dass das Spiel auf einem sehr hohen Niveau ablief. Edelfan Siggi Hüttinger lobte nach dem Spiel sogar, dass er teilweise nicht sicher war, ob er sich inzwischen bei einer Landesliga-Begegnung befinde. Das Spiel konnte bisher aber auch noch so hochklassig sein, weil auch die Gäste aus Weilheim immer wieder ihren Weg fanden. So war es dann auch als sie sich Anfang des zweiten Viertels wieder leicht zurückkämpften und den Rückstand auf 4 Punkte verkürzten. In dieser Phase taten sich die Schläfer wieder deutlich schwerer nach Ballverlusten die Rückwärtsbewegung zu forcieren. Mit zwei Dreiern in Folge brachte Stilian Manevski den Gegner  aber erstmal wieder zum Schweigen. Bis zwei Minuten vor der Halbzeitpause waren die Aktionen auf beiden Seiten gleichermaßen gut. Dann folgte wieder ein Schlussspurt der Gastgeber, die den Vorsprung dadurch wieder auf einen Halbzeitstand von 47:38 ausbauen konnten. Fast 50 Punkte zur Halbzeit spricht eine deutliche Sprache. Das hatten die Schläfer schon längere Zeit nicht mehr geschafft. Vor allem in dieser Saison gehört das Scoren nicht gerade zu den Stärken.

Coach Gianni Greco konnte bislang sehr zufrieden sein. Der Weg zum Sieg war zur Hälfte durch, nun fehlten noch weitere 20 Spielminuten, um den Erfolg unter Dach und Fach zu bringen. Wer den Basketballsport kennt, weiß aber, dass 20 Minuten eine halbe Ewigkeit bedeuten und dabei sehr viel passieren kann. Und in den ersten dreieinhalb Minuten klappte bei den Schläfern zunächst nichts. Die Weilheimer schlugen dafür besonders schnell zu und verkürzten auf magere 2 Pünktchen. Alarm bei den Schläfern? Heute nicht, vielmehr besannen sie sich in aller Kürze und starteten ihrerseits einen Punktereigen, so dass der Vorsprung zur Halbzeit wieder zurück ergattert wurde. Das wiederum ließen sich die Weilheimer nicht gefallen und versuchten umgehend wieder zurück in die Spur zu finden. Es war wirklich ein heißer Tanz, den sich beide Teams da auf dem Court lieferten. Die zahlreichen Zuschauer wurden für ihr Kommen üppig belohnt. Setzten auf  Weilheimer Seite vor allem die Spieler Aman Abraham und Philipp Saur ein Ausrufezeichen, so punktete auf Tübinger Seite das Kollektiv. Der Punktestand wuchs hierdurch weiterhin in einem guten Ausmaß. Die Differenz zwischen beiden Mannschaften blieb nun aber konstant bei ca. 5 Punkten. Deshalb wunderte der Stand von 60:55 für die Schläfer niemanden in der Halle.

Das letzte Viertel der Partie musste also für die Entscheidung sorgen. Dass die Schläfer sehr konzentriert in dieses Derby gingen und diese Konzentration auch recht konstant halten konnten, zeigten die ersten drei Spielminuten des vierten Quarters. Bezeichnend für die geschlossene Mannschaftsleistung punkteten gleich vier verschiedene Schläfer jeweils nach sehr gutem Zusammenspiel für ihre Farben. Wow, +13 für die Schläfer war die Folge. Durfte man sich schon als Sieger fühlen? Mitnichten! Nach einer Auszeit versuchten die Weilheimer sich mit allen fairen Mitteln gegen die drohende Niederlage zu stemmen. Sie wollten es spürbar nicht akzeptieren, dass sie ihr zweites Saisonspiel verlieren. Doch irgendwie waren die Schläfer nun viel zu abgezockt. Zwar kamen die Weilheimer immer wieder näher an die Gastgeber heran, aber man musste nicht allzu lange auf die passende Antwort der Hausherren warten. So bissen sich die Gäste gegen Ende  mehr und mehr die Zähne an der Schläfer-Verteidigung aus. Trotz einer schlechten Freiwurfquote geriet der Sieg der Schläfer nicht mehr in Gefahr. Am Ende leuchtete nicht nur die Anzeigetafel mit einem 81:74 Sieg, sondern auch in den Augen der Schläfer war ein Funkeln zu sehen.

Es war kein Start-Ziel-Sieg, aber es fühlte sich fast so an. Ab der sechsten Spielminute im ersten Viertel übernahmen die Schläfer die Führung und gaben sie bis zum Schluss nicht mehr her. Man darf also von einem vollkommen verdienten Sieg sprechen. Dass dieser gegen den bisherigen Tabellenführer und Derby-Gegner SV Weilheim gelang, ist ein zusätzliches Schmankerl. Auch die Zuschauer zeigten sich begeistert und bejubelten ihre „Helden“. Mit dieser Leistung konnten die Hausherren beweisen, dass sie auch in dieser Konstellation für Teamplay, Herz und Zusammenhalt stehen. Nach dem Spiel gegen den SV Holzgerlingen war das letzte Heimspiel der Hauptrunde ein wahrer Augenschmaus. Der Star ist das Team und so gelang die enorme Leistungssteigerung mit gemeinsamen Kräften.

Mit diesem überzeugenden Sieg haben die Schläfer vom Neckar einen weiteren Schritt in Richtung Qualifikationsturnier zur Aufstiegsrunde gemacht. Noch haben sie aber einen beschwerlichen Weg vor sich. Die nächste und erste Station der drei Spiele andauernden Auswärtstour ist der VfL Sindelfingen 2. Dieses Team ist eine Wundertüte und kann für alle Mannschaften zum Stolperstein werden. Die Jungs des SV 03 Tübingen 4 werden aber vorbereitet antreten und versuchen jeglichen Zweifel im Keim zu ersticken. Über mitreisende Fans freuen sich die Schläfer natürlich immer.