Ex-Profi kocht tapfere Uncoachabulls ab

Die Situation vor dem ersten Spiel war nicht unbedingt ideal für die Tübingen Uncoachabulls, die im Übrigen in dieser Saison im Ligabetrieb als SV 03 Tigers Tübingen 3 geführt werden. Trotz 17 Mann starkem Kader musste Coach Gianni Greco krankheits- und urlaubsbedingt auf einige seiner Jungs zum Landesliga-Absteiger aus Balingen reisen. Auch die anwesenden Spieler waren nicht alle zu 100% fit. So staunten die acht Tübinger nicht schlecht als sie beim Warm-Up einen Ex-Profi entdeckten, der zu seiner Glanzzeit in der Basketball Bundesliga für Jena aktiv war. Quasi über Nacht hatten die TSG Balingen Falcons Al-Ricardo Elliott verpflichtet. Aber auch die Uncoachabulls konnten mit Robin Cramer und Luis Lohf zwei ihrer Neuzugänge aufbieten. Beide zwar keine Profis dafür aber noch nirgendwo aus disziplinarischen Gründen beurlaubt worden – sagt zumindest das polizeiliche Führungszeugnis (stimmt’s, Stoffel?!).

Getreu dem Motto „Dezimiert, aber voll motiviert“ schickten die Tübinger Basketballer ihre Starting Five auf das Spielfeld. Dabei war die Marschroute für den Beginn eher defensiv ausgerichtet. Es zeigt sich schnell, dass sich der SV 03 zunächst für die richtige und die TSG für die falsche Taktik entschieden hatte. Ziemlich überzeugend kontrollierten die Uncoachabulls die eigenen Bretter und sicherten sich einige Abpraller. In der Offensive hatten sie sich ohne langwierige Eingewöhnungsphase auf das System der Gastgeber eingestellt. Der Bal lief gut und wurde dann auch konsequent im Korb des Gegners untergebracht. Nachdem die Hausherren zusätzlich ihre freien Würfe größtenteils versemmelten, war der Stand von 19:7 aus Sicht der Neckarstädter nicht unverdient.

Im zweiten Viertel war dann aber schon zu merken, dass die Personaldecke der Uncoachabulls zahlenmäßig und auch konditionell etwas dünn gewesen ist. Nach starken aber auch kräftezehrenden ersten 10 Minuten, hatten die Falcons verständlicherweise den Druck auf die Tübinger erhöht. Besonders in der Verteidigung wurde auf eine aggressive Manndeckung gewechselt. Glücklicherweise für die Uncoachabulls war dies gleichzeitig ein positiver Aspekt für ihr eigenes Spiel. Die teilweise etwas überharte Herangehensweise der Eyachtäler führte dazu, dass die Gäste einige Mal an die Freiwurflinie gehen durften und so zu leichten Punkten kamen. Dies war, ehrlich gesagt, fast der einzige Grund, weshalb die Uncoachabulls mit einer 7-Punkte-Führung in die Halbzeit gehen konnten. Spielerisch lief für die Unistädter in diesem Abschnitt nur wenig zusammen. Der Pausengong ertönte beim Spielstand von 27:20 für die Basketballer aus Tübingen.

War von den beiden internationalen Leistungsträgern der Balingen Falcons bislang nichts zu sehen, so waren es eben diese beiden Akteure, die der Partie den Stempel aufdrückten. Nachdem sich die Gastgeber zur Halbzeit in der Kabine eine ordentliche Standpauke anhören durften, waren es vor allem Matthieu Dodelin und besagter Al Elliott, die ihren Farben mit ihrer Routine einen ordentlichen Push gaben. Das Viertel verlief für die Gäste katastrophal. Irgendwie schien jemand den Stecker gezogen zu haben. 9:28 mussten sich die Uncoachabulls in diesen 10 Spielminuten geschlagen geben. Logisch also, dass die Falken nun mit 12 Punkten in Front lagen.

Die letzten 10 Minuten starteten ebenfalls sehr durchwachsen für den SV 03. Es lief zwar etwas besser, aber defensiv leistete man sich trotzdem ein paar Fehler. Bis zu dem Zeitpunkt als die Uncoachabulls plötzlich nach einer Auszeit ihre Defensivtaktik änderten. Was zunächst zaghaft begann, wurde binnen kurzer Zeit zu einer gefährlichen Waffe. Der massive Druck auf den Spielaufbau der Hausherren wirkte so stark, dass die Gastgeber jetzt einige Turnover fabrizierten. So kam es, dass die Gäste aus der Neckarstadt einen kleinen Run zurück ins Spiel fanden. Falcons-Trainer Burim Haljilji zögerte nicht lange und bat seine Mannen zu einer Auszeit. Lautstark appellierte er an seine Mannschaft, sich gefälligst am Riemen zu reißen und dem heute sicher nicht ganz ebenbürtigen Gegner zu besiegen. Das taten die Balinger dann letztlich auch. Die vorherigen Minuten waren zu kraftraubend als dass es noch für eine Überraschung gereicht hätte. Besonders die abgezockte Spielweise von Al Elliott kam jetzt zum Tragen. Der neue Balinger Chef kochte die Uncoachabulls mit seiner Routine ab. Offizieller Endstand: 69:55.

Letztlich können die Tübingen Uncoachabulls mit dem Ergebnis – oder besser gesagt mit dem Gezeigten – zufrieden sein. Alle acht Mann haben sich bis zum Ende mit aller Kraft eingebracht. Dass es am Ende als Aufsteiger gegen den Landesliga-Absteiger nicht gereicht hat, lag sicher nicht nur an der Kondition. Aber die spielerischen Ansätze machen auf jeden Fall Hoffnung auf die kommenden Spiele. Besonders die Anwesenheit von Rückkehrer Valentin Schagerl und das Engagement von Neuzugang Robin Cramer zeigten, dass die Uncoachabulls im Vergleich zur Vorsaison noch weitere tragfähige Elemente zu ihrem Spiel hinzufügen konnten.

Ob sich das mannschaftliche Puzzle im Laufe der Woche weiter zusammensetzen konnte, können die Zuschauer am kommenden Wochenende in der Uhlandhalle zum ersten Mal bei einem Heimspiel begutachten. Am 9. Oktober wird KKK Haiterbach 2 ab 16 Uhr seine Visitenkarte in Tübingen abgeben. Mit heimischen Publikum im Rücken werden die Uncoachabulls alles für einen ersten Sieg geben.