Keine Belohnung für die Uncoachabulls

Am vergangenen Sonntag stand das erste Heimspiel der Saison 2016/2017 an. In der heimischen Uhlandhalle empfingen die Tübinger Basketballer die Regionalliga-Reserve des KKK Haiterbach. Die Gäste kamen mit einem überzeugenden Heimsieg gegen den SV Holzgerlingen 2 im Rücken an den Neckar angereist. Dort staunten sie aber nicht schlecht als sie beim Warm-Up der Uncoachabulls eine ganze Reihe großgewachsener Spieler entdeckten. Auch die anwesenden Scouts der benachbarten Vereine hatten nicht mit einer solchen Präsenz gerechnet. Sicherlich kann nicht jeder Kreisliga-Meister eine solch lange Garde aufweisen, jedoch muss man auch festhalten, dass das Niveau in der Bezirksliga doch nochmal ein ganzes Stück ausgeglichener ist als in der Kreisliga. Dort reichte die körperliche Überlegenheit oft aus. In der aktuellen Spielzeit ergibt sich aber ein ganz anderes Bild.

Sowas in der Art mussten sich auch die Gäste aus der Kleinstadt im Kreis Calw gedacht haben. Sie staunten zwar zeigten aber von der ersten Minute an, dass mit ihnen zu rechnen ist. Die Uncoachabulls fanden in den ersten drei Minuten nicht so richtig in die Partie. Wahrscheinlich waren die meisten der Jungs noch auf der Suche nach ihrem Edelfan Siggi Hüttinger, der auf der Tribüne schmerzlich vermisst wurde. Erst in der 4. Spielminute schienen sich die Hausherren mit der Situation arrangiert zu haben – die ersten Punkte gelangen durch den erfahrenen Zahnmediziner Lothar Netzel. Aber ab diesem Zeitpunkt folgte dann ein 12:1-Lauf, der letztlich dazu führte, dass die Unistädter zum Ende des 1. Viertels leicht in Front lagen (14:9). An diesem Run war übrigens auch Neuzugang Nick Rambow beteiligt, der insgesamt einen starken Einstand feierte.

Nach der Viertelpause folgte dann erstmal eine Phase mit vielen technischen Fehlern – zumindest laut Schiedsrichtergespann. Beide Mannschaften mussten sich gerade zu diesem Zeitpunkt vermehrt über so manche Entscheidung der Unparteiischen wundern. Eine unerlaubte Ballführung hier, eine Ferse auf der Seitenauslinie da. Schrittfehler, 3 Sekunden ohne Parkschein, Fouls ohne Körperkontakt. You name it! Im Grunde fehlte aus dem FIBA Regelwerk nur noch die Ahndung des Verstoßes gegen Artikel 27 („Closely guarded player“), wonach ein eng gedeckter Spieler den Ball nicht länger als 5 Sekunden festhalten darf. Sei es drum. Die Schiedsrichter blieben dieser Linie auch lange nach dieser Phase treu und irgendwie musste es ja weitergehen. Durch das Engagement und die sehr gute und agile Defense beider Mannschaften war die Partie ein regelrechter offener Schlagabtausch. Zur Halbzeit blieb es bei der knappen 5-Punkte-Führung der Gastgeber.

Nach dem verlängerten Pausentee suchten die Tübinger Basketballer zunächst den Weg zum richtigen Korb. Scheinbar verwirrt, dass auch in dieser Saison nach der Halbzeit die Spielrichtung geändert wird, verschliefen die Uncoachabulls fast komplette 5 Minuten. KKK Haiterbach 2 machte sich diese Situation zu nutze und drehte die Begegnung zu ihren Gunsten. Ein leichter Rückstand von 2 Punkten spornte die Hausherren wohl noch einmal an, sich gegen die munter aufspielenden Gäste aus dem Karlsruher Regierungsbezirk zu stemmen. Zwei schnelle Dreier von Topscorer Jay Gronbach später war die Dritte des SV 03 wieder leicht vorne. Spielstand nach 30 Spielminuten: 50:47.

Hitchcock-Alarm! Es war schon atemberaubend, wie schnell die Haiterbacher Jungs den Ball in den eigenen Reihen laufen ließen. Ehrlich gesagt, waren die Uncoachabulls ab jetzt in einigen Situationen sogar deutlich zu langsam, um bei diesem Tempo immer in der richtigen Verteidigungsposition platziert zu sein. Und neben dem schnellen Passspiel schaffte es der KKK von außen eine enorme Gefahr auszustrahlen und gleichzeitig den Zug zum Korb als Option offen zu halten. Lange durften die heimischen Fans eine sehr variable und agile Verteidigung ihrer Mannen bestaunen. Doch jetzt im letzten und entscheidenden Spielabschnitt schwanden auf einmal die Kräfte. Ein kleiner Run der Gäste führte zu einer zarten Führung. Noch gab man sich auf Tübinger Seite aber nicht geschlagen. Ein kurzes Durchschnaufen und plötzlich bekam die Reserve des Regionalligisten innerhalb kurzer Zeit 3 Dreier (2x Gianni Greco, 1x Jay Gronbach) um die Ohren geknallt. Das kam aus dem Nichts und die Partie schien auf einmal wieder gedreht. Pustekuchen! In den letzten 4 Spielminuten gelang den Uncoachabulls kein einziger Punkt mehr. Haiterbach schaffte hingegen 8 weitere Zähler. Beim Stand von 63:65 und 10 Sekunden auf der Uhr bekamen die Gastgeber trotz zweier guter Versuche von Jay Gronbach und Robin Cramer nicht mehr im gegnerischen Korb unter. Robin hatte nach einem Rebound noch den Ball in der Hand als die Sirene ertönte – und das Spiel war gelaufen.

Schade, schade, schade. Es war ein munteres Spiel. Eine aufregende Begegnung. Beide Teams waren so unterschiedlich und agierten doch auf Augenhöhe. Natürlich waren die Uncoachabulls erstmal enttäuscht, hatten sie doch gerade eben Lehrgeld zahlen müssen. So fair muss man aber sein: die Gäste haben mutig gespielt und trotz ihres jungen Durchschnittsalters überragende Qualitäten gezeigt. Ständig wechselnde Verteidigungsformen, schnelle Offense. Die Uncoachabulls hatten aber auch sehr starke Phasen mit Verteidigungskünsten, die man lange nicht mehr von diesem Team erleben durfte. Wie gesagt, ein Spiel auf Augenhöhe mit einem am Ende glücklichen und zugleich verdientem Sieger aus Haiterbach.

Zeit dem nächsten Spiel entgegen zu blicken: am kommenden Samstag (15.10.2016) geht es zum SV Holzgerlingen 2. Dabei ist die Ordnungszahl 2 in dieser Saison nicht ganz korrekt. Die 1. Mannschaft der Holzgerlingen Dynamites hat sein Team aus der Landesliga zurückgezogen. Somit handelt es sich faktisch um die derzeit einzige aktive Herrenmannschaft des SV Holzgerlingen. Alle verfügbaren Spieler versammeln sich in dieser Mannschaft und gerade in der heimischen Berken-Schulsporthalle sind sie ein fast unbezwingbarer Gegner. Die BSG Nordschwarzwald musste dies erst letztes Wochenende am eigenen Leib erfahren. Hochball ist um 16.15 Uhr.

Last but not least: Die Tübingen Uncoachabulls danken ihrem Sponsor Lou’s Maultäschle (checkt www.lousmt.de) für die abartigen geilen neuen Trikots im Uncoachabulls Look! Food Trucks sind ja der Hit, aber Lou’s Maultäschle ist einfach noch hotter! (Sorry für den Spruch – dafür gab es noch weitere 5 Euro in die Mannschaftskasse).