Basketball is a Game of Runs

5 Euro ins Spardöschen! Die im Titel des Artikels genannte Basketballweisheit ist in vielen Fällen ganz sicher schon bereits in mannigfaltigem Überdruss verwendet worden. In diesem Basketballspiel der Tübingen Uncoachabulls beim SV Holzgerlingen ist dieser Spruch aber sowas von voll auf die Zehn passend! Aber langsam, fangen wir mal mit den Vorzeichen an. Es sollte das zweite Auswärts- und dritte Saisonspiel der Tübinger Basketballer sein. Der SV Holzgerlingen präsentierte bis dato zwei Gesichter. Ein recht fades beim Saisonauftakt in Haiterbach und ein saustarkes beim Heimdebüt gegen die BSG Nordschwarzwald. Gegen die Uncoachabulls konnten sie auf einen 12-Mann starken Kader bauen und waren spürbar bis in die Haarspitzen motiviert. Die Jungs aus der Unistadt waren ihrerseits erstmal bemüht überhaupt einen schlagkräftigen Kader zusammen zu bekommen. Etliche Krankmeldungen gesellten sich nun auch zur ohnehin schon vergleichsweise hohen Anzahl an Langzeitverletzten. Letztlich kamen dann aber doch 10 Uncoachabulls zusammen, darunter auch das Geburtstagskind Jay Gronbach. Er war es auch, der schon vor Spielbeginn eine Szene für die Geschichtsbücher entdeckte: Nicholai Wilson beim Stretching! Ganz recht, der Mr. Wilson, der noch vor wenigen Monaten alle Verehrer der Black Roll verspottete. Das wird in die Annalen eingehen. Mehr muss man nicht sagen.

Rein ins Spiel. Oder doch nicht? Das erste Viertel war, kurz gesagt, zum Vergessen. Auf der Anzeigetafel waren lange Zeit nur Punkte der Gastgeber zu sehen. Die Uncoachabulls brachten in fast 10 Minuten Spielzeit gerade mal ein mageres Pünktchen zustande ehe Stefan Kehrer dann endlich per Dreier den ersten Feldkorb erzielte. Aus einem 1:19 machte er dadurch ein 4:19. Wow! Dieser Viertelstand machte ja wirklich Mut.

Das dachten sich wohl auch die Hausherren als sie sich von der Spielerbank wieder zurück auf das Spielfeld begaben, um das zweite Viertel bestreiten zu können. Zunächst sah es auch ganz danach aus als könnte man die Gäste aus Tübingen einfach so weiter vorführen. Jedoch hatte Vali Schagerl nun eine Initialzündung entfacht. Dank seiner Ideen im Spielaufbau inspirierte er seine Mannschaftskollegen derart, dass diese auf einmal die vorher so kläglich vermasselten klaren Chancen endlich in bare Münze verwandelten. Viel wichtiger war allerdings, dass jetzt auch die Defense fast bis ins letzte Detail funktionierte. Man könnte auch fast schon von Lockdown-Defense sprechen. Die starke Verteidigung und die neue Inspiration in der Offense führte dazu, dass die sich die Uncoachabulls allmählich an die Gastgeber herantasteten. Als dann auch noch Jason Kaempf, der nach 2 Spielen Abstinenz wieder zurück aus Rom gekommen war, seine Dreier traf, musste man sich als anwesender Zuschauer tatsächlich die Augen reiben. Würden die Uncoachabulls tatsächlich zur Halbzeit nochmal rankommen? Ja, sie taten es. Halbzeitstand: 25:25. Ansage!

In der Halbzeitpause waren alle Uncoachabulls natürlich gut gelaunt und voller Tatendrang. Wie ein junger Bulle, der bereit zum Durchstarten ist, gingen sie dann auch nach der Pause zu Werke. Sie konnten ohne große Umschweife gleich wieder an der Leistung des zweiten Viertels anknüpfen. Vor allem die Verteidigung war top. Einsatz pur. Das führte zu einigen schwierigen Würfen und Ballverlusten für die als Dynamites bekannten Mannen aus Holzgerlingen. Im Angriff sah zudem das allermeiste nach richtig echtem Basketball aus. Schöne Spielzüge, toller Teambasketball. Es war schon wirklich einiges geboten in diesem Spielabschnitt. Nachdem das dritte Viertel der vorherigen beiden Spielen eher schwach war, hatten die Uncoachabulls jetzt ein echtes Statement hinterlassen. Die Folge war eine 49:39 Führung.

Jetzt wollte Coach Gianni Greco seinen Leistungsträgern eigentlich eine kurze Verschnaufspause gönnen. Im Nachhinein sollte sich dies aber als schwerwiegender Fehler entpuppen. In den folgenden Minuten schmolz der Vorsprung ganz rapide wie die leckere Eiscreme eurer Lieblingseisdiele bei 50° Celsius! Bäm, das Dynamit war plötzlich explodiert und die Bullen konnten das Feuer nicht mehr austrampeln. Es gelang nichts mehr. Wirklich gar nichts. Die Seuche des ersten Viertels schlug nun wieder gnadenlos zurück. Egal, welche Stellschraube nun noch gedreht wurde, es brachte nichts mehr. Der Freiwurfschwäche der Gastgeber zum Dank war das Spiel aber trotzdem bis zum Schluss spannend. Die Uncoachabulls schickten die Holzgerlinger an die Freiwurflinie, um sich nochmal am letzten Strohhalm festklammern zu können. Es half nichts. 4 Punkte im letzten Spielabschnitt – das ist einfach zu wenig. Die Hausherren machten dagegen wieder ganze 19 Zähler und schnappten den Gästen die Butter vom Brot weg. Endstand: 53:58 aus Sicht der Tübingen Uncoachabulls.

Ganz gleich wie sehr die Enttäuschung diesen Nachmittag trübte. Alle Uncoachabulls waren sich in einem Punkt einig: man hat alles gegeben und eine Menge Herz investiert – und genau das hat Spaß gemacht. Coach G kommentierte die Situation so: „Heute haben wir alles erlebt. Wir haben ein tiefes Tal durchschritten, sind aufgestanden und haben den Berg erklommen, um dann auf der anderen Seite wieder nach einem rauschenden freien Fall ungebremst auf dem Boden zu landen.“ Schade, die Tübinger Basketballer verpassten es nun ein weiteres Mal, sich für das engagierte Auftreten zu belohnen. Zumindest gibt es nun aber die Erkenntnis, dass man trotzdem Spaß an diesem Wettbewerb hat und sich vor den Gegnern nicht verstecken muss.

Als nächstes steht ein Heimspiel gegen die BSG Nordschwarzwald auf dem Programm. In der Uhlandhalle wird der Zweitplatzierte der Vorsaison am 23.10.2016 um 11 Uhr zum Hochball erwartet. Trotz dieser doch recht ungewöhnlichen Anfangszeit hoffen die Uncoachabulls auf zahlreiche Zuschauer. Und wer weiß, vielleicht ist dann ja auch wieder unser Edelfan und Glücksbringer Siggi am Start? Kommt vorbei und erfahrt es selbst.