Die vierte Runde ging aufs Haus

Sonntagmorgen, 11 Uhr. Für die jungen Wilden eine harte Prüfung, für die Familienväter schon mitten am Tag. Aber für die Gäste aus dem Nordschwarzwald natürlich eine undankbare Uhrzeit für einen Spieltermin in der Bezirksliga West. Die BSG Nordschwarzwald, letzte Saison noch Vizemeister, hatte die Ehre, knapp zwei Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Tübingen – zu besagter Uhrzeit – wieder in der altehrwürdigen Uhlandhalle zu Tübingen anzutreten. Damals wurden sie von den Uncoachabulls noch mit einer 81:55 Niederlage aus der Halle gefegt. In der Zwischenzeit hatte sich aber auf beiden Seiten einiges getan.

Nun war es also wieder soweit. Am 4. Spieltag waren beide Teams zu Beginn noch mächtig müde. Der Spieltermin schien also tatsächlich eine Wirkung zu haben. Leichte Vorteile waren vielleicht bei den Hausherren auszumachen, die in der Defensive sehr kompakt und robust agierten. Aber diese Vorteile versickerten im weiteren Viertelverlauf im Sande. Vielmehr pendelte sich eine leichte Überlegenheit der erfahrenen Gästetruppe ein. Vor allem Nordschwarzwalds Star-Center Matija Jericha, der Mitte der 2000er sogar kurzzeitig in der 1. Liga Kroatiens aktiv war, konnten die Uncoachabulls immer weniger kontrollieren. So war es nicht verwunderlich, dass die Gastgeber nach 10 Spielminuten mit 16:22 zurück lagen.

Die Tübinger Spieler waren mit ihrer Leistung nicht zufrieden, ließen sich aber dennoch nicht entmutigen. Mit frischem Elan kamen sie aus der Viertelpause zurück. Allerdings zeigte sich auch recht schnell, dass es sehr schwer werden würde, zu Punkten zu kommen. Jeder Treffer musste ganz hart erarbeitet werden. In der eigenen Verteidigung machten die Unistädter aber einiges richtig, was dazu führte, dass der Rückstand leicht schmolz. Bis in die letzten drei Spielminuten vor der Halbzeit. Dann brachen die Uncoachabulls plötzlich ein und kassierten einige schnelle Punkte. So war der Halbzeitstand von 28:40 sehr ernüchternd.

Die erste Halbzeit nagte sichtlich an den anwesenden Jungs. Nur so ist es zu erklären, dass es nun auch mal etwas lauter diskutiert wurde. Der Pausentee wurde vor lauter Gesprächsbedarf sogar so kalt, dass er niemandem mehr schmecken wollte. So waren die Hausherren froh als die Partie einfach weitergehen konnte. Und das war auch gut so. Schon in den ersten Sequenzen der zweiten Halbzeit waren die Aktionen schon deutlich erfolgreicher und konsequenter als zuvor. Gemeint ist damit vor allem die Offensive. In der Defense hatten die Uncoachabulls ja ohnehin fast die kompletten 20 Minuten gut bis überragend agiert. Jetzt fielen auch endlich ein paar Würfe durch die Reuse, die in der ersten Spielperiode mit größter Sicherheit wieder heraus gefallen wären. Endlich mal ein Spielabschnitt mit solidem Scoring. Und schon waren die Neckarstädter auch wieder auf drei Punkte ran. 47:50 lautete der Spielstand nach 30 gespielten Minuten.

Das letzte Viertel brach an und es versprach mal wieder einen weiteren Hitchcock-Thriller. Die Uncoachabulls haben diese Saison ja schon einiges an Erfahrung diesbezüglich sammeln dürfen. Zunächst knüpften die Hausherren an die vorherigen 10 Minuten an. Doch plötzlich wieder die Wende: die Aktionen waren oft klar, aber erfolglos. Irgendwie konnten sich die Tübinger Basketballer heute nicht selbst belohnen. Das führte dann zu einer letztlich verkrampften Offense, in der einige Chancen liegen gelassen wurden oder gar nicht erst entstehen wollten. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Uncoachabulls kämpften wie Bullen mit Tigerherz. Das führte zu etlichen Stops am eigenen Brett. Aber die Offensive konnte einfach nicht überzeugen. So blieb die Begegnung bis zum Schluss offen, der letzte Schritt Richtung Sieg wollte trotzdem nicht gelingen. So mussten die Gastgeber eine weitere knappe Niederlage hinnehmen. 54:59 stand es am Ende auf der Anzeigetafel. Somit ging das vierte Saisonspiel leider aufs Haus. Schade.

Nach dem Spiel war es ein Mix an Gefühlen. Einerseits Stolz, dass man sich wacker geschlagen hat. Andererseits Enttäuschung, dass man sich wiederholt nicht belohnen konnte. Man muss es einfach so sagen wie es ist: in der Offense gibt es noch zu häufig große Aussetzer. Wie in den Spielen zuvor, gab es auch dieses Mal wieder ein Viertel, bei dem die Uncoachabulls weniger als 10 Punkte erzielten. Das ist auf Dauer zu wenig für einen Sieg. Und trotzdem kann man den anwesenden Spielern auch vollständig gratulieren. In der Defense stimmte auch heute wieder so einiges. Es passte sehr viel zusammen und der Kontrahent wurde ein weiteres Mal bei unter 60 Punkten gehalten. In der Statistik der Gegenkörbe zählen die Uncoachabulls zu den Top 3 Teams. Jetzt müssen sie nur noch Kapital daraus schlagen.

Nächste Chance ist am 13.11.2016 um 16 Uhr in der Uhlandhalle. Dann gastiert der TV Derendingen 3 in der altehrwürdigen Halle. Derbytime gegen die sogenannten Anacondas um den ehemaligen Mitstreiter Peter Kahle. Der Landesligaabsteiger hat nach zwei Niederlagen zum Auftakt zuletzt wieder in die Spur gefunden und zwei überzeugende Siege eingefahren. Es wird in jedem Fall ein heißer Tanz. Kommt vorbei und verpasst das ewige Derby auf keinen Fall!