Derbypleite: Starke Defense, schwache Offense

Wenn eine Mannschaft des SV 03 Tübingen auf eine Mannschaft des TV Derendingen trifft, dann ist das im Basketball das ewig junge Derby. Nachdem es in der letzten Saison im Bezirkspokal schon einmal zum Duell zwischen beiden Teams gekommen ist, damals waren die Tübinger noch Kreisligist und die Derendinger in der Landesliga aktiv, bedeutete die Paarung SV 03 Tigers Tübingen 3 gegen TV Derendingen 3 ein reguläres Ligaduell. Obwohl der TV Derendingen heuer mit einer sehr guten und erfahrenen Mannschaft antreten konnte, mussten sich die Uncoachabulls mit ihrem zehnköpfigen Kader keineswegs verstecken. Natürlich waren die Derendinger Anacondas, wie sie sich selbst bezeichnen, eindeutiger Favorit in dieser Partie. Die Uncoachabulls wollten dem Landesliga-Absteiger alles abverlangen. Zumal man nur zu gerne den ersten Saisonerfolg einfahren wollte.

Entsprechend motiviert gingen beide Kontrahenten in das Spiel. Der TVD tat sich zunächst recht schwer gegen die schnelle und agile Verteidigung der Hausherren. Die Uncoachabulls befanden sich dagegen schnell in einem guten Rhythmus, der für den weiteren Spielverlauf einiges erhoffen ließ. Zwar war schon zum jetzigen Zeitpunkt deutlich zu spüren, dass jeder Punkt hart erkämpft werden muss. Trotzdem zeigte das Pendel eher Richtung Gastgeber. Nach 5 Spielminuten führten die Tübinger Basketballer mit 8:4. Ab diesem Zeitpunkt wollte den Uncoachabulls aber nichts mehr gelingen. Zumindest nicht offensiv. In der Verteidigung waren sie nach wie vor hellwach, konnten jedoch nicht verhindern, dass die Anacondas bis zum Viertelende heimlich, still und leise einen 10:0-Run ablieferten. Somit hinkten die Jungs des SV 03 knapp mit 8:14 hinterher.

Natürlich war die Entwicklung noch nicht vollständig alarmierend. Ein Auge – oder auch zwei – musste man dann aber doch auf die Ursachen werfen. Quintessenz: der Spielaufbau sollte wieder geordneter gestalten werden. Ja, und man kann sagen, dass das einigermaßen gelungen ist. Dieses Viertel war vollkommen ausgeglichen und keine der beiden Mannschaften konnte sich in irgendeiner Form absetzen oder echte Vorteile erarbeiten. Es war weiterhin eine Partie, die vor allem von den beiden abnormal stark agierenden Abwehrreihen lebte. Außerdem wurde knapp die Hälfte der insgesamt 26 Punkte(!) von der Freiwurflinie erzielt. Für die Zuschauer bedeutete dies Rohkost in ihrer puristischsten Form, für Trainer ist das dagegen gewissermaßen ein Schmankerl. Zu wissen, dass die Defense funktioniert hat etwas beruhigendes. So blieb es auch nach 20 Spielminuten beim knappen 6-Punkte-Rückstand der Gastgeber. Zwischenergebnis: 21:27.

Nach der Halbzeitpause hatte das Team um Ex-Schläfer vom Neckar, so nannten sich die Uncoachabulls bis vor ein paar Jahren noch, Peter Kahle eine kurze Drangphase, die wiederum von den Hausherren mit ein paar Punkten gekontert wurde. Deshalb war auch nach 25 Spielminuten keine großartige Änderung des Spielgeschehens zu sehen. Dann folgte aber die entscheidende Schwächephase der Uncoachabulls. Erst produzierten die Anacondas innerhalb von knapp 2 Minuten einen 9:0-Lauf, dann erhöhten sie sogar nochmal das Tempo und der Run wurde bis zum Ende des dritten Spielabschnitts auf 16:4 vergrößert. Die Uncoachabulls fingen sich in dieser Phase einen Fastbreak nach dem anderen ein. Auch eine zwischenzeitliche Auszeit konnte diesen Situation nicht aufhalten. Der Spielstand von 31:48 war für die Gastgeber eine absolute Bürde. Besonders wenn man sich den Spielverlauf mit den bislang sehr wenigen Korberfolgen anschaut.

Selbstverständlich hatten die Uncoachabulls vor, sich mit aller Macht gegen die Niederlage zu stemmen. Dass das keine leere Versprechung war, konnte man daran erkennen, dass das letzte Viertel sogar mit 13:10 an die Hausherren ging. Aber auch in dieser Phase wiederholte sich das, was bereits in den vergangenen Spielen aufgefallen war. Irgendwie fehlt das letzte Quäntchen auf dem Weg zum Korberfolg. Viele gute Wurfgelegenheiten, die sonst vergleichsweise hochprozentig getroffen werden, können nicht in Zählbares umgemünzt werden. Die finale Konsequenz und die notwendige Prise Glück wollen einfach nicht hervortreten. So ist es nicht verwunderlich, dass ein echtes Comeback im 4. Viertel nicht mehr gelingen konnte. Magere 44 Pünktchen standen ebenfalls recht dürftigen, aber dennoch wertvolleren, 58 Punkten entgegen. Die fünfte Saisonniederlage der Uncoachabulls war damit besiegelt.

Wieder einmal konnten sich die Uncoachabulls nicht für ihre gute Verteidigungsleistung belohnen. „Ich denke, dass es momentan einfach ein mentales Problem ist. Den Jungs kann man keinen Vorwurf machen. Das Herz ist am richtigen Fleck und der Einsatz stimmt“, lautete das Fazit von Coach Gianni Greco nach diesem ernüchterndem Ausgang des Derbys. „Wir brauchen einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis, damit unsere Offense endlich ins Rollen kommt“, ergänzte er noch. Die Erkenntnis der ersten 5 Spiele in dieser Bezirksliga-Spielzeit lautet, dass eine starke Verteidigung immens wichtig ist, man aber kein Spiel gewinnen kann, wenn man selbst nicht ausreichend punktet.

Schön ist, dass das Team auch weiterhin zuversichtlich bleibt und nicht bereit ist, ein SOS-Signal auszusenden. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist da und muss jetzt dementsprechend innerhalb der Spiele freigesetzt werden. Wie es der Zufall so will, haben die Uncoachabulls auch gleich drei Tage später die Chance sich für die Ligapleite zu revanchieren. Denn am 16.11.2016 geht es im Bezirkspokal gleich wieder gegen den TV Derendingen 3. Ab 20.20 Uhr geht es in der Kreissporthalle Tübingen-Derendingen los. Ein Erfolg würde ganz sicher zur Wiedererlangung des Selbstvertrauens helfen. Aber egal, welchen Effekt es letztlich hätte, die Tübingen Uncoachabulls haben einfach Sehnsucht nach einem Sieg. Also werden sie erneut mit guter Laune und frischem Schwung antreten.