Und die nächste knappe Niederlage…

Unglaublich, aber wahr. Die Tübingen Uncoachabulls können in dieser Vorrunde einfach nicht gewinnen. Auch im siebten Saisonspiel gab es eine knappe Niederlage. Die zum Derby angereisten Gäste der Pfrondorf Squirrels hatten nach 40 Spielminuten einen knappen 65:62 Sieg errungen. Wieder haben die Tübinger Basketballer ihr Herz mit aufs Parkett gebracht, wieder ohne sich selbst am Ende zu belohnen. Doch eins nach dem anderen …Vor dem Heimspiel gegen die vom Schönbuchrand „angereisten“ Pfrondorfer Eichhörnchen hatten die Gastgeber leider zwei kurzfristige Absagen zu verschmerzen. Sowohl Luis Lohf, der im Auswärtsspiel bei den Rottweil Werewolves mit 17 Punkten noch stark auftrumpfte, als auch Lothar Netzel, der Fels in der Brandung, mussten krankheitsbedingt passen. Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass dies spurlos am Team vorübergegangen war. Trotzdem konnte Coach Gianni Greco aus einem tiefem 10-Mann-Kader schöpfen. Neu dabei war der vom TV Derendingen gekommene Dyango (ja, er bevorzugt seinen Künstlernamen), der vor allem dem Spielaufbau zu neuen Ideen verhelfen sollte.

Die Pfrondorf Squirrels konnten, so zumindest der Eindruck, einen hervorragend besetzten und sehr variablen Kader aufbieten. Sowieso gibt es Meinungen, dass die Gäste bei einer konstant gleichbleibenden Besetzung im Verlauf der Saison in den Top 4 landen könnten. Der Beginn war sehr nervös. Auf beiden Seiten gelang wenig, wobei man festhalten muss, dass die Pfrondorfer deutliche Feldvorteile vorweisen konnten. Sie nutzten nur lange ihre Chancen nicht. Bei den Uncoachabulls passte in den ersten Minuten eigentlich gar nichts. Sie kamen fast überhaupt nicht aus den Startlöchern und vergaben dann auch noch zu allem Überfluss ganz leichte Wurfchancen. Ohnehin glich ihr Auftreten eher einer hüftsteifen Rentnertruppe – kaum Intensität in der Defense und nur sehr wenig Bewegung am offensiven Ende des Spielfelds. Logische Konsequenz: magere 6 Pünktlein nach 10 Spielminuten auf der Haben- und glückliche 15 Punkte auf der Soll-Seite. Es erinnerte viel an das Auftreten am dritten Spieltag in Holzgerlingen. Wobei man dort einem höheren Rückstand hinterherlaufen musste, obwohl man deutlich dynamischer als in diesem Tübinger Stadtderby agierte.

Sei es drum. Die Uncoachabulls sind diese Situation fast schon gewohnt. Einem sehr schlechten Start folgte bislang in der Regel eine starke Aufholjagd. Und auch heute war es wieder so, dass die Moral der Hausherren absolut passte. Die Aggressivität in der Verteidigung war jetzt wieder vorhanden und auch im Spiel nach vorne waren die Tübinger Basketballer nun zielstrebig. Die Hereinnahme von Neuzugang Dyango erwies sich gleichzeitig als Glücksgriff. Er konnte dem Spiel gleich seinen Stempel aufdrücken und war maßgeblich an der starken Phase beteiligt. Die Defense war auf jeden Fall wieder im Lockdown-Modus. Vielleicht nicht ganz so heftig wie schon in dieser Saison erlebt, aber zumindest so stark, dass die Kreise der Gäste aus dem Tübinger Stadtteil sehr gestört waren. Zur Halbzeit erkämpften sich die Jungs vom SV 03 Tübingen sogar eine sehr knappe 29:28-Führung. Wow! Endlich wieder eine Führung zur Halbzeit!

Euphorie machte sich etwas breit. Sie wurde dann aber relativ schnell wieder ausgebremst. Nachdem es nach dem Pausentee noch ein paar Angriffe gut lief, zeigten die Uncoachabulls plötzlich wieder ihr anderes Gesicht. Es schlichen sich innerhalb kurzer Zeit ein paar gewichtige Fehler ein, die dann auch prompt von den Squirrels eiskalt ausgenutzt wurden. Vor allem von jenseits der Dreierlinie lief es in diesen Momenten sehr gut für die Gäste. Bei regelrechten Einladungen nahmen die Pfrondorfer die Tübinger Geschenke dankend an. Trotzdem bissen sich die Hausherren zurück in die Partie. Der SV Pfrondorf schaffte es also nicht, sich entscheidend abzusetzen. Die Führung nach drei Vierteln war wieder in Gästehand (Spielstand 44:49).

ROLLERCOASTER! Was war nur los? Das letzte Viertel dieses spannenden Derby-Thrillers bot nochmal jegliche Dramatik auf. Zunächst lagen die Gastgeber wieder in Front. Mit enormen Einsatz erklommen die Uncoachabulls kurzfristig den Gipfel, nur um dann wieder in ein absolutes Loch zu fallen. Dies nutzten wiederum die Gäste zu ihren Gunsten. Ihr Vorsprung näherte sich schnell dem zweistelligen Bereich. Doch die Uncoachabulls hatten beim Sturz noch einen letzten Strohhalm ergriffen. Scheinbar schon vollkommen abgestürzt, tat sich noch irgendwo ein Eispickel auf. So schafften es die Unistädter noch ein letztes Mal ganz nahe an die Squirrels heran. In den letzten Sekunden, die eine halbe Ewigkeit dauerten, versuchten die Uncoachabulls ihre Gegner noch an die Freiwurflinie zu zwingen und selbst mit schnellen Gegenangriffen zu kontern. Teilweise ging diese Taktik auf, da der SV Pfrondorf seine Chancen an der Linie vergab. Andererseits kamen dann auch wieder haarsträubende Ballverluste oder wilde Würfe zustande. Es klappte nicht mehr das Ruder wieder herumzureißen. Endstand: 62:65.

Knappe Niederlagen tun immer weh. Jetzt aber schon die vierte Niederlage mit 5 oder weniger Punkten verschmerzen zu müssen, ist schon ein hartes Brot. Trotzdem bleiben die Moral und das immerwährende Aufbäumen ein beeindruckender Charakterzug der diesjährigen Uncoachabulls. Jetzt muss noch der Knoten platzen und ein Sieg her. Das wäre gut für die geschundene Seele.

Am kommenden Samstag, 03. Dezember 2016, steht das wichtige und vielleicht sogar richtungsweisende Auswärtsspiel in Schramberg an. Die SG Schramberg hängt auch im Tabellenkeller, hat aber bereits zwei Siege auf dem Konto. Zuhause scheinen sie ohnehin ein unbequemer Gastgeber zu sein. Da es das erste Aufeinandertreffen in der Geschichte beider Teams ist, kann zu diesem Kontrahenten leider auch nicht viel gesagt und vorbereitet werden. Der Auftrag an die Uncoachabulls ist aber klar und deutlich: das Spiel muss gewonnen werden, wenn man nicht den Anschluss an die anderen Teams verlieren möchte. Bei einer Niederlage blieben die Tübinger Basketballer bei 0 Punkten, wohingegen alle anderen Mannschaften mindestens drei Siege zu verbuchen hätten.

Hätte, hätte, Fahrradkette! Jetzt gilt es!