Erst hui, dann pfui

Zum ersten Mal in der Geschichte beider Mannschaften standen sich am vergangenen Samstag die SG Schramberg und die Tübingen Uncoachabulls gegenüber. Das noch junge Team aus Schramberg hat zwar schon einige erfolgreiche Jahre in der Jugendarbeit erlebt, ist im Seniorenspielbetrieb aber noch recht neu dabei. Dass sie aber auch im Herrenbereich erfolgreich sind, belegt ihre bereits zweite Teilnahme an der Bezirksliga West. Die Gastgeber aus dem mittleren Schwarzwald sind aber eher durchwachsen in die Saison gekommen. Bei zwei Siegen aus insgesamt sechs Spielen rangierten sie vor dem Spiel gegen die Uncoachabulls auf dem vorletzten Tabellenplatz. Dieses erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften war also auch gleichzeitig das Kellerduell der Liga.

In Schramberg angekommen, fühlten sich einige der Tübinger Basketballer in die Vergangenheit versetzt. Die Sporthalle im Schramberger Gymnasium ist von außen sehr modern gestaltet, von innen hat sie sich aber noch einen gewissen Charme erhalten. Dass die Korbanlagen noch ohne Federung ausgestattet und die Ringe gefühlt dreifach so dick wie üblich waren, tat ihr übriges zum Gesamteindruck. Nach dem gewohnten Warm-Up Programm starteten die Unistädter etwas besser in die Partie. Das war gar nicht so selbstverständlich, wenn man sich den bisherigen Saisonverlauf anschaut. Endlich, so wollte man vielleicht sagen, mal ein 1. Viertel, das nicht verschlafen wurde. Schon nach ein paar Minuten war eine deutliche Überlegenheit zu verzeichnen. Leider wurden die Chancen, die sich durch die sehr gute Verteidigung boten, nicht so konsequent ausgenutzt. Deshalb war zum Viertelende auch kein großer Vorsprung herausgesprungen. Trotzdem hatte man die Hausherren im Griff. Beim Stand von 13:8 aus Sicht der Uncoachabulls ging es in die Viertelpause.

Etwas ratlos versuchten die Gastgeber aus der Heimat der Uhrenfabrik Junghans einige Dinge zum zweiten Viertel zu verändern. Die Umstellungen waren gar nicht mal so erfolglos. Im Gegenteil, jetzt wo Spielertrainer Eugen Manwajler auf dem Feld war, liefen zumindest die Angriffe der Spielgemeinschaft deutlich geordneter ab. Manwajler ist übrigens ein alter Bekannter für die Tübinger Basketballer. Schon vor ein paar Jahren stand man sich in der Kreisliga und der Bezirksliga gegenüber als er noch für die TuS Königsfeld auflief. Er sollte aber nur für ein kurzes Strohfeuer sorgen. Denn nachdem die Hausherren wieder etwas herangekommen waren, schalteten die Uncoachabulls in der Defense einen Gang höher. Jetzt wurden auch die Ballgewinne und Rebounds konsequent in Punkte umgewandelt, sodass das zweite Viertel letztlich zu einer 9-Punkt-Führung der Gäste führte.

Der Frust bei der Schramberger Mannschaft saß schon recht tief. Vor allem auch deshalb, weil die Uncoachabulls nur sehr schwer auszurechnen waren und offensiv fast gar nichts zugelassen hatten. Nach der Halbzeitpause ließen beide Teams dann in der Defensive erstmal die Zügel etwas lockerer. Das Resultat war ein recht munterer Spielabschnitt, bei dem zwar sowohl die Gastgeber als auch die Gäste punkteten, der Gesamteindruck aber immer noch zugunsten der Uncoachabulls geblieben war. So kam es auch, dass sich an der Situation zur Halbzeit auch zum Ende des dritten Viertels nichts änderte. Aus dem 21:30 zur Halbzeit ist nun 41:51 geworden. Die Neckarstädter waren also auch nach dreißig Spielminuten noch in Front. Der Spielverlauf ließ vermuten, dass ein Sieg tatsächlich zum Greifen nah war.

Das letzte Viertel gingen die Uncoachabulls sehr konzentriert an. Schließlich wollten sich die Jungs vom SV 03 nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen. Die Defense war nun wieder im Lockdown-Modus und die Gegner taten sich schwer zu punkten. „Kurze Pause für die Leistungsträger“, war nun der Gedanke des Trainergespanns Greco/Kehrer. Ein Gedankenfehler mit schweren Folgen! Klar, die Idee kam auch deshalb zustande, weil ein paar der Akteure etwas müde wirkten und sich eine Pause wünschten. Mit den Wechseln hatte sich aber auch ein Moment der Unachtsamkeit eingeschlichen. Und zwar so sehr, dass innerhalb kurzer Zeit der gesamte Vorsprung dahin war. Extrem ärgerlich. Die bewährten Kräfte kamen umgehend wieder aufs Spielfeld. Defensiv muss man eine Lanze brechen. Hier stand die Verteidigung sofort wieder felsenfest. Aber der Angriff war das absolute Sorgenkind. Es lief vorne nichts mehr zusammen. Viele überhastete Aktionen und verzweifelte Würfe von jenseits der Dreierlinie führten dazu, dass nur noch ein einziger Korberfolg gelang. Selbst die Chancen von der Freiwurflinie wurden – wie in so manchem Spiel davor – fast schon reihenweise liegen gelassen.

Nur der Defense war es zu verdanken, dass die Uncoachabulls bis zum Schluss eine Chance auf den Sieg oder zumindest den Ausgleich hatten. Dann kam zum Schluss die Spiel entscheidende Szene. Nachdem die SG Schramberg einen Freiwurf verwandelte blieb den Gästen aus der Unistadt noch eine Gelegenheit für ein Einwurfspiel. Das Einwurfspiel war zwar recht trickreich ausgedacht, jedoch scheiterte der riskante Pass sehr knapp an der wachsamen Verteidigung der Gastgeber. Der Einwurf wurde abgefangen und das Spiel ging mit 62:60 verloren.

Sprachlos, kraftlos, enttäuscht und niedergeschlagen machte sich schnell Ernüchterung breit. Nach dem totalen offensiven Blackout im letzten Spielabschnitt ging das lange kontrollierte Spiel doch noch an den Kontrahenten. Und das dann letztlich nichtmal unverdient. Nur magere drei Punkte in einem Viertel sind dann doch sehr arm. Wie gesagt, die Defense war im Grunde grandios. Wer aber wiederholt in der Offense solch einen Blackout hat, kann keine Spiele gewinnen. Nach dieser schmerzhaften Erfahrung einigten sich die Tübinger Basketballer darauf, diese Situationen als eine Art Lehre mitzunehmen. Die Fehler, die gemacht wurden, waren so offensichtlich, dass es wirklich eine Chance auf Besserung gibt. Allerdings müssen die Uncoachabulls vorher erstmal wieder anfangen, an sich und ihre Fähigkeiten zu glauben.

Nach nunmehr 8 erfolglosen Saisonspielen neigt sich die Vorrunde dem Ende zu. Am letzten Spieltag (10.12.2016) erwarten die Neckarstädter den TB Kirchentellinsfurt. Mal wieder ein Derby. Die Aussichten auf den ersten Saisonerfolg sind allerdings sehr gering. Warum? K’furt ist mit bosher fast tadelloser Dominanz Tabellenführer der Bezirksliga West. Alles andere als eine leichte Aufgabe. Wachsen die Uncoachabulls an dieser großen Aufgabe und schaffen gar einen Überraschungserfolg? Eher unwahrscheinlich. Die Uhlandhalle wird aber ganz sicher nicht kampflos überlassen! Spiele zwischen dem SV 03 und dem TBK waren schon immer ganz heiße Tänze! Das Spiel wurde übrigens auf 14:30 Uhr vorverlegt.