Völlig von der Rolle im nördlichen Schwarzwald

Lange drei Wochen mussten die Tübingen Uncoachabulls warten bis sie endlich zum zweiten Rückrundenspiel antreten durften. Nach dem erfolgreichen Start in die zweite Saisonhälfte waren die Unistädter mit breiter Brust nach Freudenstadt gereist, wo bereits die BSG Nordschwarzwald auf sie wartete. Gegen diesen Kontrahenten haben die Uncoachabulls schon so einige Schlachten gekämpft. Die Titans, wie sich die Gastgeber aus dem Schwarzwald auch nennen, waren und sind ein robuster und physisch gut aufgestellter Gegner. Das mussten die Gäste aus der Neckarstadt im Hinspiel leider auch feststellen, als man nach aufopferungsvoller Aufholjagd letztlich doch dem Grind Game der Titanen knapp mit 54:59 unterlegen war.

Dieses Mal waren die Uncoachabulls aber durch den ersten Sieg im Heimspiel gegen die TSG Balingen vermeintlich bereit für eine kleine Siegesserie. So kamen 12 voll motivierte Bullen am Spielort an und waren zuversichtlich mit 2 Punkten wieder nach Hause reisen zu dürfen. Die Startformation beinhaltete mit Dyango Yang, Vali Schagerl, Luis Lohf, Robin Cramer und Lothar Netzel 5 im Spiel gegen Balingen sehr bewährte Kräfte. Doch der Start verlief alles andere als geplant. Mit einer halbherzigen Verteidigung ließen die Uncoachabulls gleich mal zu Beginn einen 9:0-Lauf der Hausherren zu. Alle 9 Punkte wurden dabei durch den besten Titanen Matija Jericha erzielt. Der kroatische Ex-Profi war nicht aufzuhalten und schubste die Gäste gleich von Beginn an direkt an den Abgrund. Die Spieler des SV 03 Tübingen versuchten zwar dagegen zu halten, der frühe Rückstand führte aber zu einer gewissen Hektik im Abschluss. So wurden dann leider auch einige gute Chancen leichtfertig liegen gelassen. Im bisherigen Saisonverlauf war diese Situation kein Problem. Auf die Defense war früher oder später immer Verlass. Dieses Mal aber leider nicht. Die eigenen Würfe gingen daneben, die BSG Titans drehten dagegen voll auf. Am Ende des Viertels waren die Uncoachabulls bereits mit 8:22 im Hintertreffen.

Das erste Viertel war absolut frustrierend verlaufen. Die anfängliche Euphorie wich einem nüchternen Realitätsbewusstsein. Die Unistädter waren sichtlich überrascht – von sich selbst und vom Gegner. Coach Gianni Greco wollte seine Jungs nochmals aufbauen und erinnerte daran, dass es ab diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch aufwärts gehen könne. Pustekuchen! Da hat die Herde Bullen die Rechnung wohl ohne das Heer der Titanen gemacht. Waren die ersten 10 Minuten wenigstens noch etwas von einer gewissen Hoffnung auf Besserung geprägt, so waren die folgenden 10 Spielminuten einfach nur die wohl schlechteste Leistung der letzten 2 Saisons – mal abgesehen vom schockierend leblosen Auftritt beim TSV Calw im April 2016. Es ist schmerzhaft darüber zu sprechen, aber zusammengefasst kann man sagen, dass bei der BSG Nordschwarzwald alles klappte und bei den Uncoachabulls eben nicht. Das Resultat nach 20 gespielten Minuten: 18:47. Drei Buchstaben: A-U-A!

In der Halbzeitpause wurde dann Tacheles geredet. Ein weiser, aber auch angesäuerter Kerl aus dem Norden der Nation war so angestachelt vom schwachen Auftritt des gesamten Teams, dass er alle darauf einschwor in der zweiten Halbzeit das Maximum aus sich herauszuholen. Egal ob es letztlich noch für einen Sieg reichen sollte oder nicht. So wollte er und so wollte keiner wieder nach Hause fahren.

Im dritten Viertel begannen die Uncoachabulls also mit sehr aggressiver und konsequenter Defense. Die Hausherren schienen nicht damit gerechnet zu haben, dass die Gäste doch nochmal die Abteilung Attacke auspacken würden. Wiederum kein gutes Zeichen für die Leistung der ersten Halbzeit, dafür aber ein wertvolles Signal für den restlichen Spielverlauf. Leider belohnten sich die Uncoachabulls für ihre tolle Verteidigung viel zu selten. Nach Ballgewinnen folgte zu häufig ein Ballverlust. Entweder man beging einen Schrittfehler, wanderte auf der Auslinie oder verlegte halt auch weiterhin einfache Korbleger. Wirklich schade, denn so schmolz der Rückstand leider nur sehr langsam, obwohl die ersten Punkte der Gastgeber bis in die siebte Spielminute der zweiten Halbzeit auf sich warten ließen. Da war deutlich mehr drin. So stand es dann doch immernoch 33:55 aus Sicht der Gastmannschaft.

Da die Kräfte jetzt auch wieder etwas nachließen und die Konzentration aufgrund des hohen Rückstands immer wieder flöten ging, wechselte das Trainerduo um Stoffel Kehrer und Gianni Greco nun umso häufiger. Damit kamen dann wenigstens alle 12 Mann mal zum Einsatz. Schön war trotzdem, dass die Uncoachabulls bis zum Schluss alles gaben, um wenigstens mit einem Sieg in der zweiten Spielhälfte nach Hause gehen zu können. Und die zweite Halbzeit konnten sie tatsächlich mit 30:29 für sich entscheiden. Ein kleiner Beweis dafür, dass sie sich in der ersten Halbzeit einfach selbst im Weg gestanden hatten. Soll heißen, die Intensität und Aggressivität hatte einfach (unabsichtlich) gefehlt.

Das Endergebnis von 76:48 war dennoch deutlich genug, um zu erkennen, dass es am heutigen Tage nur einen verdienten Sieger geben konnte. Die BSG Titans haben der Partie von Anfang an ihren Stempel aufgedrückt und ließen den Neckarstädtern somit nicht den Hauch einer Chance. Die fehlende Aggressivität konnte sich Coach Gianni Greco nur so erklären: „Ich vermute mal, dass die Jungs mit einer breiten Brust angereist waren, letztlich haben wir es aber versäumt die Intensität aus dem Spiel gegen Balingen nochmals auf das Spielfeld zu bringen.“ Dies passierte natürlich in keiner Weise absichtlich. Und trotzdem müssen die Uncoachabulls ihre Lehren aus diesem Misserfolg ziehen. Nur von Einsatz zu sprechen, reicht nicht. Der Einsatz muss auch wirklich ins Spiel einfließen. Sowas kann nur aktiv geschehen und geht nicht von alleine.

Hoffen wir mal, dass die richtigen Stellschrauben schnell gefunden werden. Schon am kommenden Samstag, 18. Februar 217, treten die Uncoachabulls nämlich zum nächsten Auswärtsspiel an. Um 13:30 Uhr müssen sie zum Derby ins Derendinger Feuerhägle „reisen“, wo der TV Derendingen seine Anacondas ausgesetzt haben wird. Dann wird sich zeigen, ob sich die Uncoachabulls aus dem Würgegriff dieser gefährlichen Schlangen befreien können. Es ist unnötig zu erwähnen, dass dieses Spiel neben der Tabellen bedingten Brisanz auch das Derbyfieber ansteigen lässt. Wir freuen uns auf ein spannendes Duell!