Dreierhagel in der Uhlandhalle – aber nicht für die Uncoachabulls

Nach dem tollen Hitchcock-Sieg in Haiterbach vor einer Woche hatten die Tübingen Uncoachabulls neuen Mut für den schwierigen Abstiegskampf erhalten. Dieses Momentum wollten sie in das Heimspiel gegen den TSV Rottweil mitnehmen. Der Tabellendritte reiste mit einem Rumpfkader an den Neckar und sah sich damit selbst einer zahlenmäßigen Überlegenheit der Tübinger Basketballer gegenüber. Die 12 Uncoachabulls, die zu diesem Heimspiel antraten, waren voll motiviert und nahmen sich fest vor, ganz seriös in das Spiel zu gehen. Auch wenn ein Duell von 12 Gastgebern gegen 7 Gäste einen gewissen Vorteil für die Hausherren bedeutete, war man sich durchaus bewusst, dass die 7 angereisten Werwölfe trotzdem eine ausreichende Qualität mitbrachten, um in der altehrwürdigen Uhlandhalle bestehen zu können.

Mit einer in Alter, Skills und Athletik sehr ausgewogenen Starting Five gingen die Uncoachabulls in die Begegnung. Nachdem Center-Ass Lothar Netzel den Hochball für die Unistädter sicherte, wollte den Tübingern zunächst nur wenig gelingen. Eigentlich hatte Coach Gianni Greco vor der Partie die Vorgabe ausgegeben, einfache Wege gegen die Zonenverteidigung der Rottweil Werewolves zu suchen. Leider wurde diese Maßgabe nicht umgesetzt und anstatt eines gesunden Ball Movements wurden eher schwierige Situationen bevorzugt, die oftmals zu unnötigen Ballverlusten führten. Auch die Intensität der Verteidigung ließ zu wünschen übrig. So fingen sich die Neckarstädter vor allem einige Fastbreaks ein und verloren dadurch auch relativ früh die Spielübersicht und notwendige Ruhe. Ein 10:17 Rückstand zum Viertelende war die Folge.

In der Viertelpause stellten die Uncoachabulls ihre Defensive um. Ziel war es, die Verteidigung als Instrument für ein Comeback zu nutzen. Gute Aktionen in der Defense waren dann auch der Auslöser für eine smartere und effizientere Offense. Jetzt lief der Motor auch genau so, wie es das Tübinger Trainergespann vor der Partie vorzeichnete. Offensiv zeichneten sich vor allem Luis Lohf und ganz besonders Lothar Netzel aus. Beide waren die einzigen „Bullen“, die in diesem Viertel punkteten. In der Verteidigung machten hingegen alle eingesetzten Akteure einen riesigen Job. Für die Gäste war jetzt kein Durchkommen mehr möglich und die wenigen freien Würfe fanden auch nicht ihr Ziel. Es war endlich wieder die Art von Defense, wie sie die Uncoachabulls in der Hinrunde regelmäßig an den Tag legten. Erst ein sehenswerter Buzzer Beater durch Rapljenovic von ganz weit draußen – Höhe Mittellinie – markierte die ersten und einzigen 3 Punkte der Rottweiler Mannschaft im zweiten Viertel. Die Uncoachabulls entschieden diesen Spielabschnitt mit 13:3 für sich. So stand es zur Halbzeit 23:20 für die Hausherren.

Nach dem Seitenwechsel waren weiterhin die Uncoachabulls spielbestimmend, obwohl die Gäste auf eine Mannverteidigung umgestellt hatten. Natürlich waren die Wege zu Korberfolgen nun erheblich erschwert, aber die Mannschaft war so gefestigt, dass ihnen immer wieder aufs Neue eine gute Idee kam. Der TSV Rottweil hatte sich aber auf jeden Fall etwas für die zweite Spielhälfte vorgenommen. Das war zu spüren. War ihnen der Weg zum Korb in den meisten Fällen unmöglich, so haben sie es fortan verstärkt von jenseits der Dreipunktlinie versucht. Und das mit Erfolg. Erstmal waren Georgievski (2) und Max Fuchs (1) zielsicher genug, um ihre Farben wieder in Schlagdistanz zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt, ca. Mitte des dritten Viertels, hielten die Gastgeber aber noch dagegen und scorten so, dass so bis zur 27. Spielminute mit 40:33 in Front lagen. Dann folgten zwei weitere Dreier von Routinier Andreas Schmötzer und plötzlich war der Vorsprung zum Viertelende auf drei Punkte (42:39) geschmolzen.

Wer dachte, dass das schon alles gewesen sei, sah sich definitiv getäuscht. Die ersten zwei Minuten des letztes Spielabschnitts waren noch recht ausgeglichen. Beide Teams mit je einem Dreier, für Tübingen traf Brett Youens und für Rottweil einmal mehr Schmötzer, und weiteren Punkten. So stand es jetzt 45:45. Eigentlich ein Big Man schien Schmötzer jetzt aber so richtig Feuer gefangen zu haben. Mit Hand im Gesicht und mindestens einem Schritt hinter der Dreierlinie streute er traumwandlerisch gleich nochmal zwei weitere Treffer ein. Die Partie war gedreht, aber die Uncoachabulls eigentlich noch dicht dran. Jedoch hatte der abartige Dreierhagel bei den Unistädter Spuren hinterlassen. Die Aufmerksamkeit war nun desolat. Haarsträubende Ballverluste und Tempogegenstöße der Werwölfe waren die Folge. Auch zwei Auszeiten halfen nicht mehr zur mentalen Rehabilitation. Innerhalb von fünf Minuten wurde aus einem Rückstand von 47:50 ein Defizit von 17 Punkten. Aua, das war eine regelrechte Lehrstunde. Die letzten Bemühungen, die Begegnung noch ordentlich zu beenden, waren dann zwar einigermaßen erfolgreich, halfen aber nicht über die große Enttäuschung hinweg. Zwei eigene erfolgreiche Dreier durch Jason Kaempf und Jay Gronbach verringerten Rückstand zum Endstand auf ein 55:68. Das letzte Viertel ging mit 13:29 an die Gäste aus Rottweil. Wahnsinn!

Coach Greco war um eine Erklärung bemüht: „Zunächst schwer in das Spiel gestartet, haben wir dann eigentlich alles im Griff gehabt. Bis dann der Dreierregen losging und wir unsere eigene Linie komplett verloren haben. Als der TSV Rottweil aus allen Rohren feuerte und auch fast alles traf, waren wir eigentlich noch dran. Wären wir da mental cool geblieben, dann hätten wir noch eine Chance gehabt. So haben wir aber einmal mehr in dieser Saison Lehrgeld gezahlt. Nach diesem Schlussspurt ist der Sieg für die Werewolves zweifelsohne sehr verdient. Wir werden aber natürlich weiter für Siege kämpfen!“

Am besten gleich im nächsten Spiel. Da geht es für die Uncoachabulls dann zu den starken Eichhörnchen nach Pfrondorf. Bei den SV Pfrondorf Squirrels müssen die Tübinger Basketballer am 11.03.2017 um 17:30 Uhr in der Schönbuchhalle antreten. So ausweglos die Situation scheint, mit einem Erfolg können die Uncoachabulls immernoch im Rennen um einen Relegationsplatz bleiben. Aber auch ohne dieses Ziel vor Augen würde eine Derby-Sieg sicherlich Spaß machen. Na dann mal los.